Max Joseph Becker: Die Deutschen in Amerika 1849


Ein Vortrag, gehalten vor dem Montagsclub von Columbus, Ohio, am 14. März 1887, von Max Joseph Becker

übersetzt von Doris Grieben mit freundlicher Unterstützung von Reiner Marx.

Die
Deutschen von 1849 in Amerika.
Ein Vortrag, gehalten vor
dem Montagsclub von Columbus, Ohio,
am 14. März 1887
von Max Joseph Becker
Mt. Vernon, O.
The Republican Printing House
1887

(S.3) DIE DEUTSCHEN VON 1849 IN AMERIKA

Vor neununddreißig Jahren wurden die Staaten Mitteleuropas unvermittelt durch eine politische Bewegung erschüttert, die, obwohl in ihren Zielen nicht erfolgreich, dennoch einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hat, und zwar nicht nur in der Geschichte der direkt davon betroffenen Länder, sondern indirekt auch auf dieses Land, das im Laufe der Zeit eine Zuflucht und oft ein dauernder Wohnsitz für die bekannteren Teilnehmer in dieser Auseinandersetzung geworden war.

Viele Jahre vor 1848 hatte es in unterschiedlichen Teilen des Deutschen Reiches mehr oder weniger verdeckte Agitation und auch einige öffentliche Manifestationen einer Bewegung gegeben, die politische Reformen zum Ziel hatte. Doch diese Manifestationen hatten keinen klar definierten, organisierten Charakter. Die Missstände, über die man klagte, waren hauptsächlich von lokaler Bedeutung, und die zu ihrer Abstellung vorgeschlagenen Mittel entbehrten infolgedessen der Zielgerichtetheit und der Konzentration und waren somit unweigerlich zum Scheitern verurteilt.

Um die Umstände und die Bedingungen zu verstehen, (S.4) denen das Land zu der Zeit unterworfen war, über die ich hier sprechen will, ist es notwendig, kurz die Geschichte seines Volkes zu skizzieren; und da der Fortschritt im Deutschen Reich immer nur sehr langsam vorankam, wird es notwendig sein, eine beträchtliche Zeitspanne zurückzugehen, um die Entwicklung in wahrnehmbaren Stufen darlegen zu können.

900 Jahre lang bis zu seiner Auflösung 1806 wurden die verschiedenen Fürstentümer, aus denen sich das Deutsche Reich zusammensetzte, mehr oder weniger unabhängig von Fürsten, Herzögen, Grafen, Bischöfen und Baronen regiert, die durch rechtmäßige oder betrügerische Mittel, durch Vererbung oder Eroberung, durch Kauf oder Tausch, durch glückliche Fügung oder Raub in den Besitz dieser Territorien gelangt waren und sie, zumindest für eine Weile, ihr Eigen nannten. Diese sich durch die Jahrhunderte dauernd verändernden unterschiedlichen Besitzverhältnisse auch nur annähernd zu verfolgen, ist so gut wie unmöglich, sogar wenn es interessant und wichtig genug wäre, das hoffnungslose Unterfangen durchzuführen. Doch genauso gut könnten wir versuchen, das sich ständig ändernde Bild der Wolken am Himmel im Gedächtnis zu behalten.

Um sich gegen die häufigen Invasionen ausländischer Feinde zu behaupten und um ihre Beziehungen untereinander einigermaßen zu kontrollieren, hatten diese meist unbedeutenden Herrscher es schon zu einem frühen Zeitpunkt für notwendig erachtet, eine zentrale Autorität zu schaffen, die zwar aus ihrem Kreis erwählt wurde, aber dennoch die ihr verliehenen Rechte als Oberhaupt ausübte.

Diese Autorität wurde im Jahr 911 geschaffen und überstand als „Heiliges Römisches Reich“ die darauffolgenden neun Jahrhunderte ständiger Fehden, zahlreiche Erbfolgekriege, den Bauernkrieg mit den damit verbundenen Greueltaten, den dreißig Jahre (S.5) dauernden, blutigen Religionskrieg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die Invasion der Schweden aus dem Norden und die brutalen Überfälle der Türken aus dem Süden, die unaufhörlichen Zwistigkeiten innerhalb ihrer eigenen Grenzen und die immer wiederkehrenden Aufstände ihrer eigenen Untertanen, bis sie schließlich am Ende des letzten Jahrhunderts infolge der Erhebungen der Französischen Revolution in Stücke fiel und 1806 unter den vernichtenden Schlägen der unüberwindlichen Armeen Napoleons des Großen endgültig ihren Tod fand.

Das exekutive Oberhaupt dieser Zentralregierung wurde von ausgesuchten, zum Teil kirchlichen und zum Teil weltlichen Souveränen verschiedener Fürstentümer gewählt und vom Papst zum Kaiser gekrönt. Manchmal ging die Krone über mehrere Generationen vom Vater auf den Sohn und von da auf den Enkel über; doch häufiger endete die dynastische Folge mit dem Leben eines Herrschers, dessen Tod nicht immer eine natürliche Ursache hatte.

Und während all dieser Jahre musste das gemeine Volk – die Bauern und übrigen Leibeigenen – ein Leben voller Mühen und Entbehrungen führen, damit die Herren und Bischöfe ihre Gelage feiern konnten.

Das Land gehörte der Kirche, den Baronen und übrigen Herren, und ihnen gehörte auch das Wild in den Wäldern; manchmal wurde es den Bauern erlaubt, an einer Jagd teilzunehmen, nicht um das Wild für den eigenen Bedarf zu erbeuten, sondern damit es durch den Herrn zu seinem Freizeitvergnügen getötet werden konnte; danach wurde es von den Leibeigenen zur Schlossküche auf dem Berg getragen, um eben jenen Herrn und seine Gäste bei einem Bankett zu erfreuen, dem ein fröhliches Turnier zu Ehren eines fahrenden Ritters auf der Suche nach Abenteuer vorausgegangen war, bei dem dieser eine Lanze für die Ehre seiner Herzdame gebrochen hatte.

Dies war das Zeitalter der romantischen Galanterie, der Troubadoure und fahrenden Ritter, über die sentimentale Poeten in ihren schwärmerischen Liedern sangen; in Wahrheit war es ein Zeitalter voll von abstoßender Brutalität, (S.6) barbarischer Ignoranz und tief sitzenden Aberglaubens, und ich bin sehr froh, dass es vorüber ist dank Johann Hus, Philip Melanchthon und Martin Luther, die die großartige kirchliche Reformation begründeten, dank Johann Gutenberg, der die Druckerpresse erfand, und dank Berthold Schwarz, der die Explosivität des Schießpulvers entdeckte.

Die Periode, die der Reformation unmittelbar folgte, wurde ganz besonders charakterisiert durch die fanatische Grausamkeit ihrer endlosen Kriege, durch Feuer und Schwert und die mutwillige Zerstörung der fruchtbaren Rheinlande durch die Franzosen unter Turenne während des Königtums Ludwigs XIV., die in den Herzen der Menschen einen tiefsitzenden Groll auslöste, der sich auch in den nachfolgenden Generationen festsetzte und noch heute nach Rache schreit. In der Mitte des 18. Jahrhunderts war das Deutsche Reich in einen langen, zerstörerischen Krieg mit Friedrich dem Großen verstrickt, dem dreisten König des rasch aufstrebenden Landes Preußen; gegen Ende dieses Jahrhunderts wurde es in einen Krieg mit den Revolutionsführern der französischen Republik verwickelt, der nach dem erfolglosen Feldzug von 1792, in dem Preußen dem Deutschen Kaiser zur Seite stand, 1797 in einem vorübergehenden Frieden endete; die erneuten Aggressionen der französischen Republikaner jedoch hatten einen weiteren Krieg zur Folge, der wieder in einer Niederlage endete, gefolgt von einem katastrophalen Frieden im Jahr 1801, in dem die kirchlichen Besitztümer enteignet wurden und viel Land verloren ging.

Doch damit nicht genug, provozierten die Franzosen unter einem unbedeutenden Vorwand 1805 einen weiteren Krieg und besiegten nicht allein den Deutschen Kaiser, sondern auch seine Verbündeten England und Russland in der verhängnisvollen Schlacht von Ulm, gefolgt von der überwältigenden Niederlage bei Austerlitz; Napoleon nannte dieses Gefecht in seinem Stolz auf seinen neuen Titel die „Dreikaiserschlacht“. (S.7) Damit und mit der Abdankung Franz’ II. von Österreich 1806 endete das Deutsche Kaiserreich.

Die Periode zwischen der Auflösung des Reichs und der Schlacht der Erlösung 1813 umfasst die dunkelsten Tage in der Geschichte Deutschlands. Besiegt, erniedrigt, unterdrückt und beleidigt, seine Herrscher entthront, im Exil oder im Gefängnis; die männliche Bevölkerung in die Armee des Eroberers eingezogen und im Kampf gegen ihre Landsleute in die vordersten Reihen gestellt, die Städte und Festungen mit feindlichen Garnisonen belegt oder in Grund und Boden geschleift durch Vertragsauflagen, wenn sie erfolgreich Belagerung und Beschuss standgehalten hatten, die Bürgerhäuser in Baracken verwandelt, die Bauernhöfe verwüstet und das Vieh von den Durchmarschierenden, den Schlachten und den Insassen der Armeelager verjagt. Dies waren Jahre voll Düsternis, Elend und Jammer. Doch der Tag der Erlösung und Vergeltung kam endlich doch.

Als Napoleon mit den zitternden Resten seiner fast vollständig vernichteten Armee aus Russland im Winter 1812 zurückkehrte, sahen seine unfreiwilligen deutschen Verbündeten die Gelegenheit gekommen und verließen ihn fast bis zum letzten Mann. Sie verbreiteten patriotische Aufrufe an ihre Untertanen, dass diese sich erheben und mit „Gott für König und Land“ den fremden Despoten vertreiben sollten, der auf dem Boden seiner hilflosen Verbündeten seine Schlachten zum Ruhm Frankreichs mit dem Vermögen und dem Blut seiner Opfer geschlagen hatte. Und mit diesen Aufrufen waren schöne Versprechungen und großartige Zusicherungen von konstitutionellen Freiheiten und Anerkennung der Menschenrechte verbunden. Und tapfer entsprach das Volk den königlichen Aufrufen, erhob sich heldenhaft „en masse“ und ruhte nicht, bis der korsische Usurpator sicher auf dem Schiff „Bellerophon“ untergebracht mit dem Ziel einer Insel jenseits des Äquators, wo er starb. Und nachdem man sich des fremden Despoten auf diese Weise entledigt hatte und der Friede wiederhergestellt war, bemerkte das gute deutsche Volk in der ersten Freude über den Segen seiner Sicherheit und (S.8) des langsam zurückkehrenden Wohlstandes nicht gleich, dass anstelle des Einen 36 einheimische Despoten getreten waren und still und heimlich seinen Platz eingenommen hatten.

Als schließlich nach der endgültigen Niederlage Napoleons die siegreichen deutschen Herrscher wieder ihr früheres Eigentum übernommen, die Siegesbeute verteilt und die Grenzen ihrer Territorien wiederhergestellt hatten, war die politische und geographische Situation des Deutschen Reiches natürlich nicht mehr die gleiche wie zehn Jahre zuvor. Preußen war aus eigener Kraft von einem kleinen Kurfürstentum 1701 zu einem Königreich herangewachsen und hatte seine Position den ganzen blutigen Siebenjährigen Krieg[1] hindurch gegen den Deutschen Kaiser und beinahe alle übrigen europäischen Mächte gehalten. Napoleon hatte, nachdem er die besseren Teile des Deutschen Reiches unter seinem Bruder und seinem Schwager aufgeteilt hatte, den Herrschern von Bayern und Württemberg erlaubt, Königstitel anzunehmen, und sie für ihre Dienste und ihre Unterstützung mit einer Erweiterung ihrer Territorien belohnt.

Die rein kirchlichen Herrschaften waren während der frühen Erfolge der Französischen Revolution beseitigt worden; die Zahl der Freien Städte war beträchtlich reduziert, und die alten Landesgrenzen waren während der Wiederherstellung der Verhältnisse, die der endgültigen Verbannung Napoleons nach seiner Niederlage in Waterloo folgte, weitgehend bis radikal verändert worden. Doch als alle 1815 zusammenkamen und den berühmten „Bundesrath“[2] formierten, waren, abgesehen von den Freien Städten, immer noch 36 Souveräne übrig, um von Gottes Gnaden unser gesegnetes Vaterland zu regieren.

Zwanzig Jahre ständigen Kampfes und fremder Besetzung hatten das Land weitgehend erschöpft, und die armen Menschen richteten ihre Aufmerksamkeit verständlicherweise mehr auf die Wiederherstellung ihrer materiellen Lage als auf die Verwirklichung (S.9) der vage formulierten Freiheiten, die ihnen als Belohnung für ihren heldenhaften Patriotismus in Aussicht gestellt worden waren.

Gutmütige Geduld war immer schon die Krönung deutscher Tugenden, und zu der Zeit, von der ich spreche, schien sie noch verstärkt als Reaktion auf eine außergewöhnliche Anstrengung.

Die Bauern waren es zufrieden, ihre Feldfrüchte anzubauen, deren Ertrag gewöhnlich gering war, und bezahlten ohne Murren ihre Steuern, die unverändert hoch waren, und registrierten damit auf ihre dumpfe Art, dass ihr Los tatsächlich hart war, dankten aber gleichzeitig Gott, dass es sie nicht noch schlimmer getroffen hatte. Die Kauf- und Handelsleute verkauften ihre Waren zu niedrigeren Preisen, als sie es während der kriegsbedingten Inflation getan hatten, doch sie waren zufrieden damit, dass sie die Profite ihr Eigen nennen konnten und kein Lösegeld an marodierende Franzosen mehr zahlen mussten, um vor Requirierungen und Plünderungen geschützt zu sein.

Der sogenannte „Deutsche Bund“ oder die Bundesversammlung war eine Organisation, die sich aus den Souveränen der verschiedenen Staaten des wiedererstandenen Deutschlands zusammensetzte; seine grundlegenden Regeln wurden nach der ersten Verbannung Napoleons auf dem Wiener Kongress formuliert und später, nach Napoleons endgültiger Niederwerfung, im Pariser Frieden niedergelegt und ratifiziert. In dessen ursprünglicher Form, den nachfolgenden Beratungen und Ausführungsbestimmungen hatte das Volk keine Stimme. Der Hauptgegenstand war der Schutz gegen Feinde von außen und die Garantie der verschiedenen Adelsherrschaften, aus denen der Bund bestand. Er war als ständige Vertretung gedacht, die nur nach Einberufung tagte. Österreich hatte den Vorsitz inne; der Rat hatte 71 Stimmen, die sich auf 39 Staaten und Freie Städte verteilten, von denen jeder oder jede mindestens eine Stimme hatte – einige der größeren Staaten hatten vier oder fünf. Zwei Drittel der Stimmen ergaben eine qualifizierte Mehrheit. Ein sogenannter innerer oder auserwählter Rat, aus siebzehn Stimmen zusammengesetzt, in dem eine Anzahl kleinerer Staaten zusammen eine Stimme besaßen (S.10) und in dem die einfache Mehrheit galt, wurde mit der Ausführung der Maßnahmen beauftragt, die die Hauptversammlung verabschiedete. Die Treffen wurden generell in Frankfurt am Main abgehalten und bestanden gewöhnlich aus Abgesandten der regierenden Herrscher, die selten in eigener Person daran teilnahmen.

Die ursprüngliche Verfassung dieses „Bundes“ sah vor, dass alle Staaten und Adelsherrschaften, aus denen sich die Organisation zusammensetzte, innerhalb ihrer eigenen Territorien konstitutionelle und repräsentative regionale Regierungen zur Verwaltung ihrer eigenen Angelegenheiten einsetzten; dass alle Formen christlicher Religionen in allen Staaten frei sein sollten und dass der religiöse Status der Juden zu einem baldigen Zeitpunkt beraten werden sollte; den Bürgern eines Staates sollte es erlaubt sein, Eigentum in einem anderen zu erwerben; unbeschadet ihrer militärischen Pflicht gegenüber ihrem eigenen Staat sollte es ihnen auch erlaubt sein, in einen anderen Staat auszuwandern und dort öffentliche Ämter zu bekleiden. Die Freiheit der Presse wurde in eingeschränkter Form versprochen, es wurden Regeln etabliert für das Urheberrecht, den Postverkehr, und es wurden Gesetze verabschiedet, den Handel und die Seefahrt betreffend; in seinen Beziehungen zu anderen europäischen Mächten bezog der „Bund“ Position als unabhängiger Staat, der Deutschland als Ganzes repräsentierte, seine eigenen Botschafter in fremde Länder schickte und deren Vertreter empfing.

Innerhalb der Vorgaben dieser Verfassung hatte eine Anzahl kleinerer Staaten schon früh verschiedene Formen konstitutioneller Regierungen gebildet, aber als sich 1819 in verschiedenen Landesteilen Anzeichen politischer Agitation zeigten, kam der „Bundesrath“ in Karlsbad[3] zusammen, um seine Verfassung zu ergänzen, Zugeständnisse in Bezug auf Rechte und Freiheiten in weitreichender Konsequenz abzuändern und die Erfüllung anderer Versprechen und die Durchführung von Reformen weiter (S.11) in die Zukunft zu verweisen. Auf einem Kongress in Wien, den der „Bundesrath“ 1819 und 1820 abhielt, wurden vorher zugestandene Freiheiten weiter eingeschränkt und Kommissionen gebildet, die die Schulen und Universitäten überwachen sollten; Zensoren wurden eingesetzt, um alle Veröffentlichungen, ganz besonders aber Zeitungen und Periodika zu regulieren, und kategorisch wurde angeordnet, dass die regionalen Regierungen das monarchische Prinzip als obersten Maßstab ihrer Handlungen und Beratungen anerkennen mussten.

1830, gleichzeitig mit der Bewegung in Frankreich, die Charles X. ins Exil schickte und dafür den Bürgerkönig Louis Philippe installierte, gab es allenthalben Unruhen in Deutschland, und Klagen wurden laut über die so lange aufgeschobene Erfüllung der 1815 gemachten Versprechungen.

In Frankfurt wurde unter Führung einiger Studenten der schwache Versuch unternommen, eine Erhebung zu initiieren, die aber ganz schnell unterdrückt wurde, indem man die Anführer ins Gefängnis warf und viele aus ihrer Gefolgschaft der Universitäten verwies. Doch schon den Versuch nahm der „Bundesrath“ zum Anlass für weitere Restriktionen. Alle öffentlichen Versammlungen wurden verboten, ebenso die Gründung von Vereinigungen, das Tragen von Abzeichen, von Flaggen und Bannern. Den Studenten wurde nicht erlaubt, an bestimmten ausländischen Universitäten Vorlesungen zu hören, Verkauf und Verbreitung einer großen Anzahl von Büchern von gewissen Autoren wurden unter Androhung harter Strafen untersagt, und sogar die Handwerksburschen, die es seit undenklichen Zeiten gewohnt waren, auf die Wanderschaft zu gehen und im ganzen Land nach Beschäftigung zu suchen, durften bestimmte Lokalitäten nicht mehr betreten, da man befürchtete, dass sie dort monarchiefeindliche Ideen aufschnappten.

Auch wurden Maßnahmen ergriffen, die militärische Organisation des „Bundes“ zu perfektionieren; das Kontingent, das jeder Staat zur Armee beisteuern musste, wurde vergrößert; einige Festungen wurden mit Bundestruppen belegt; die militärischen Beziehungen, die die Einzelstaaten zum Bund und zu ausländischen Mächten pflegten, definitiv festgelegt.

Dies war in groben Umrissen die Lage in Deutschland vor dem Ausbruch im Frühling 1848.

Wenn man bedenkt, dass die Lage und die Bedingungen in den verschiedenen Staaten nicht nur untereinander uneinheitlich waren, sondern auch Einheitlichkeit in deren Beziehungen zum „Bund“ als der zentralen Autorität fehlte; dass sich die Basis der Repräsentation in diesen Staaten, die sich nur annähernd an konstitutionellen Richtlinien orientierte, aus einer Vielzahl von Bedingungen zusammensetzte; dass all diese repräsentativen Körperschaften in ihrer ureigenen Existenz auf das Wohlwollen ihrer Souveräne angewiesen waren, die sie berufen oder auflösen konnten, wie sie wollten; dass die Regierenden der größeren Staaten absolutistische Monarchen waren; dass die ungleichen Beziehungen, die die unterschiedlichen Staaten untereinander unterhielten, Anlass zu mannigfachen Schwierigkeiten gaben, für die keine auf Dauer wirkende Abhilfe gefunden werden konnte; dass die unterschiedlichen Interessen der regierenden Herrscher in keiner Weise der Harmonie untereinander förderlich waren; dass die Neugliederung in den verschiedenen Landesteilen nach Erreichung des Friedens alte Beziehungen auseinandergerissen und die Verschmelzung neuer Teile erzwungen hatte, die nicht ohne Weiteres zu einer Fusion bereit waren; und wenn man außerdem all diesem den weitverbreiteten Unmut über die maßlose und ständig weiter steigende Besteuerung hinzufügt, kann man sich vorstellen, dass allgemeines Missfallen und Unzufriedenheit unter der Bevölkerung die Oberhand gewannen, sodass alle Klassen und Berufsgruppen bei der ersten günstigen Gelegenheit Forderungen nach Reformen stellten und nach Entschädigung für diejenigen Belastungen verlangten, die sie als für sich selbst am niederdrückendsten empfanden.

Diese Gelegenheit präsentierte sich schließlich, als in der zweiten Februarhälfte des Jahres 1848 die (S.13) erfolgreiche Revolution in Paris, die Louis Philippe ins Exil trieb, Anlass zu Erhebungen überall auf dem Kontinent gab, die sogar die phlegmatischen Deutschen aufrüttelten und im Vorfrühling zu offenen Revolten in Berlin, Wien und entlang der südlichen Grenzen des Großherzogtums Baden führten.

So unbedeutend diese frühen Ausbrüche im Licht der späteren Ereignisse auch erscheinen mochten – es gelang ihnen dennoch, den verängstigten Herrschern einige Zugeständnisse und Versprechen auf baldige Abhilfe diverser Missstände abzuringen. Den Zusicherungen vertrauend mäßigte sich das Volk fürs Erste und widmete sich einen ruhigen Sommer lang der Etablierung der neu eingeführten Reformen, wie der Wahl von Repräsentanten für die gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten und von Mitgliedern für ein Nationales Parlament, das nun endlich die Grundlage für die lange erträumte Einheit Deutschlands bilden sollte.

In der Zwischenzeit waren die Provisorische Regierung und die ultrarevolutionären Kräfte in Frankreich durch die vereinigten reaktionären Interessengruppen während des Monats Juni in blutigen Pariser Straßenschlachten niedergeschlagen worden, und der Volksaufstand in Frankfurt zur Unterstützung der Maßnahmen der demokratischen Parlamentsmitglieder war im September durch die Kanonen und Bajonette der vereinigten preußischen, österreichischen, hessischen und bayerischen Armeen im Keim erstickt worden, und, als der Winter kam, erholten sich die Kaiser, Könige und mächtigen Herzöge von ihrem Schrecken und konnten wieder aufatmen. Der preußische Kronprinz[4] (der jetzige Kaiser Wilhelm), der im März aus dem Land gejagt worden war und Zuflucht in England gefunden hatte, kehrte nach Berlin zurück; die entmutigten Herrscher fassten wieder Mut; eine allgemeine Reaktion[5] begann, Zugeständnisse wurden widerrufen, Proteste zurückgewiesen, Petitionen hochmütig abgewiesen (S.14), Aufstände mit unnötiger Grausamkeit niedergeschlagen und die Teilnehmer mit ungewöhnlicher Strenge bestraft. Nach Niederwerfung der Rebellion in Wien wurden viele Gefangene vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen.

Der Winter 1848/1849 verging in gedrückter Stimmung; das Volk, entmutigt durch die Niederlage, enttäuscht und verbittert, wurde zusehends ruheloser und verzweifelter.

In der Zwischenzeit hatte Frankreich, das den ersten Anstoß gegeben hatte und immer noch betäubt war von dem niederschmetternden Schlag, den es im Juni erhalten hatte, nach einer aufregenden Kampagne Prinz Louis Napoleon zum Präsidenten der Republik gewählt, was, wie jeder intelligente Beobachter schon damals voraussehen konnte, die Rückkehr zum monarchischen Prinzip bedeutete.

Das deutsche Parlament[6] hatte im Frühsommer 1848 den Erzherzog Johann von Österreich einstweilig zum Reichsverweser gewählt, womit die Herrscher der kleineren Fürstentümer und das Volk allgemein zufrieden waren; Österreich und Preußen hingegen erkannten seine Autorität nie an.

Das Parlament hatte es nach endlosen Diskussionen auch geschafft, eine Reihe von Artikeln zu verabschieden, die als Rahmen für eine künftige Verfassung dienen konnten. Doch diese scheiterten daran, alle zufriedenzustellen, sie gaben den Wünschen des Volkes keine Stimme, und es war offensichtlich, dass sie die Anerkennung der Herrscher nicht erhalten würden.

Am 28. März 1849 wurde die Kaiserkrone von der Mehrheit des Parlaments dem König von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., angeboten; die kleineren Staaten akzeptierten diese Wahl, doch Bayern, Württemberg, Hannover und Sachsen wiesen sie zurück; Österreich protestierte in aller Form, und nach einigem Zögern lehnte Friedrich Wilhelm ab.

(S.15) So gingen die Ergebnisse eines ganzen Jahres parlamentarischer Arbeit verloren, und die Hoffnungen des Volkes waren zerstört. In diesem Licht erschienen alle zukünftigen Anstrengungen als lächerlich und alle weiteren Beratungen des Parlaments als eine Farce.

Es blieb nur noch eine Vorgehensweise übrig, und das war – Revolution.

Es begann Anfang Mai 1849 mit der Vertreibung des Großherzogs von Baden, der zusammen mit seiner Familie, seinem Hof und den höheren zivilen und militärischen Chargen in großer Eile abreiste, nachdem sich sein Volk ganz plötzlich in allem Ernst erhoben hatte. Das Fußvolk der Armee und einige untere Dienstgrade verbündeten sich mit dem Volk und setzten in Karlsruhe eine provisorische Regierung ein; die fehlenden Offiziersposten wurden aufgefüllt, und die Truppen marschierten an die Grenzen, um der Invasion standzuhalten, die ganz sicher folgen würde, es sei denn, es entstünden auch andernorts vergleichbar erfolgreiche Bewegungen. Die angrenzende bayerische Provinz auf der anderen Rheinseite[7] folgte dem Beispiel ihrer badischen Nachbarn, und das Volk nahm die von den abgereisten Beamten verlassenen Büros in Besitz; die Garnisonen (mit der Ausnahme der Festung Landau) verbrüderten sich mit dem Volk. Freiwillige in großer Zahl strömten aus allen Landesteilen zusammen. Auch in Dresden hatte eine Erhebung stattgefunden, die aber niedergeschlagen worden war, und die sächsischen Flüchtlinge verbündeten sich mit den Aufständischen in Baden und Rheinbayern; an vielen Orten desertierten die Soldaten und vergrößerten die Reihen der Revolutionäre, für die über einen Zeitraum eines Monats hinweg alles nach Wunsch verlief.

Währenddessen sammelten Preußen, Hessen-Darmstadt und Nassau[8] ihre militärischen Kräfte und konzentrierten sie an den Nordgrenzen Badens und der Nachbarstaaten, in denen Rebellion herrschte; einige wenige Scharmützel fanden an der Südgrenze von Darmstadt statt, bis schließlich (S.16) Ende Juni die Invasionsarmeen in zwei Truppenverbänden beidseitig des Rheins von Norden und Westen die bayerische Grenze überschritten, um sich auf ihrem Marsch zu vereinigen. In der Festung Landau waren die loyalen bayerischen Truppen verblieben, ungeachtet eines kühnen Versuchs, sie gefangen zu nehmen, und mit einem so gefährlichen Feind im Rücken sah man es nicht als sicher an, ein entscheidendes Treffen in dieser Gegend zu wagen; die Revolutionskräfte zogen sich deshalb langsam vor den Invasionsarmeen zurück und überquerten nach einigen unwichtigen Waffengängen den Rhein bei Karlsruhe, um sich mit den viel stärkeren Kräften im Großherzogtum Baden zu vereinigen. Ein ernsthaftes Gefecht wurde bei Waghäusel in der Nähe von Mannheim ausgetragen, in dem der Prinz von Preußen, der seinen Vater bei dem Unternehmen begleitete, leicht verwundet wurde; es bedurfte der Unterstützung durch die preußische Reserve, um die Position der Invasionsarmee zu halten. Nach einem weiteren Gefecht bei Ubstadt[9] zwischen den Revolutionstruppen aus Bayern und den Preußen bezogen die vereinigten Kräfte der Rebellen Position in einer Linie vom Rhein zur Linken bis zur Grenze Württembergs zur Rechten mit der starken Festung Rastatt ein wenig links von der Mitte. In dieser Stellung wurde heftiger Widerstand geleistet und erst nach zwei Tagen harter Kämpfe aufgegeben, als die Truppen des nahen Königreichs Württemberg die Grenze überschritten und den Aufständischen in den Rücken fielen. Mit diesem Gefecht endete der bewaffnete Widerstand. Ein großer Teil der Armee suchte Schutz in der Festung Rastatt, die fast einen Monat lang der Belagerung standhielt, während der Rest sich, kontinuierlich dezimiert durch Desertion, vor den vordringenden Preußen und anderen deutschen Truppen langsam durch den Schwarzwald zur Schweizer Grenze zurückzog, wo er von der schweizerischen Staatsgewalt (S.17) entwaffnet wurde mit der Erlaubnis, in den diversen Kantonen des Bundesstaates Zuflucht zu suchen. Die Mannschaften wurden einquartiert und auf Kosten der schweizerischen Regierung verpflegt, bis sie nach und nach vom Amnestieangebot Gebrauch machten und nach Hause zurückkehrten. Die Anführer, die nicht zurückkehren konnten, siedelten sich vorübergehend in verschiedenen Gegenden der Schweiz an; im Frühling des Jahres 1850 jedoch überredete die Schweizer Regierung unter dem Druck ihrer Nachbarn und mit dem Versprechen auf Unterstützung die meisten von ihnen dazu, das Land zu verlassen. Darauf folgte ein allgemeiner Exodus; viele suchten Zuflucht in Holland, Belgien, Südamerika und England, doch die weit größere Anzahl schiffte sich unverzüglich nach den Vereinigten Staaten ein.

Die Mühsale, Entbehrungen und Leiden, die die meisten Männer während der frühen Tage ihrer amerikanischen Erfahrungen ertragen mussten, würden sehr interessante, in vielen Aspekten jedoch sehr traurige Kapitel in der Geschichte ihres bunten Lebens ergeben. Viele erlagen ihrer Not schon in den überfüllten Städten des Ostens und starben; einige verkürzten in äußerster Verzweiflung das hofflungslose Elend ihrer erbärmlichen Existenz mit eigener Hand. Dass die Beschäftigungen, die manche anzunehmen gezwungen waren, nicht in allen Fällen die Gelegenheit boten, die Vorteile ihrer früheren Erziehung zu nutzen, kann man sich leicht vorstellen. Ich erinnere mich sehr gut, dass ich in meinem eigenen Fall oft die Umstände meiner frühen Jugend beklagt habe, während ich, lange vor Sonnenaufgang, auf einer Gemüsefarm auf Long Island schmackhafte, rote Frührettiche geschnitten und Bündel von duftenden jungen Zwiebeln für den täglichen Markt gebündelt habe; sogar die mathematische Aufgabe, parallele Furchen zu ziehen für Rüben und Kohl, oder die technische Planung beim Anbinden saftiger Tomatenpflanzen schafften es nicht, meine beruflichen Ambitionen zufrieden zu stellen; auch betrachtete ich das Entgelt von vier Dollar im Monat für fünfzehn Stunden täglicher Mühsal nicht als angemessene Bezahlung für diese schwierige Arbeit. (S.18) Es ist wahr, ich hatte außerdem auch Kost und Logis frei. Die Kost, das fühle ich mich verpflichtet zu sagen, war ausreichend, aber minderwertig, doch das Logis war dafür sehr großzügig. Ich hatte ganz Long Island als Schlafgelegenheit, und Millionen von Moskitos sangen ein süßes Wiegenlied dazu.

Eines Tages traf ich im „unteren Teil“ New Yorks[10] einen jungen Bildhauer, der in seiner frühen Jugend ein Klassenkamerad von mir gewesen war und, während er an der Akademie der Schönen Künste in Paris studiert hatte, in den Strudel der Rebellion geraten war; nachdem er einige Zeit in Belgien und England umhergezogen war, war er erst kurz zuvor in Amerika angekommen. Obwohl noch ziemlich jung, hatte er doch schon bemerkenswerte Erfolge errungen und war mit einer Medaille für sein Talent und sein Geschick belohnt worden. Wir freuten uns sehr über unser Zusammentreffen. Nach einem hastigen Austausch unserer Erfahrungen wagte ich es, ihn über seine beruflichen Erfolge zu befragen. „Ah, kommt in mein Studio und seht selbst“, sagte er; „ich bin gerade damit beschäftigt, letzte Hand an ein paar wunderbare Meisterstücke plastischer Kunst anzulegen; Ihr müsst sie sehen, bevor sie mein Studio verlassen.“ Seiner Einladung nachkommend, fand ich ihn ein paar Tage später in einem niedrigen schmutzigen Hinterzimmer einer Schreinerei in Greenwich Street, wo er eifrig damit beschäftigt war, mit Sandpapier die kolossalen Glieder einer hölzernen Pocahontas[11] zu schmirgeln, die für die Eingangstür eines Tabakladens bestimmt war.

Doch nach den Gesetzen der natürlichen Auslese im Kampf um die eigene Existenz wird der Tüchtigste immer überleben, und wenn ich Ihre Geduld bis hierher nicht schon vollständig in Anspruch genommen habe, werde ich nun in kurzen Umrissen den Werdegang einiger der prominenten Überlebenden dieses Kampfes aufzeigen.

FRIEDRICH HECKER

Zuerst, sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch, was seinen Bekanntheitsgrad betrifft, kam Friedrich Hecker.

Als nach einigen wenigen zeitlich begrenzten Erfolgen zu Beginn des Frühlings 1848 das Volk von ganz Deutschland, freudig erregt über seine Triumphe, im Vertrauen auf die Versprechungen seiner besiegten und kleinlauten Herrscher und voller Zuversicht auf eine friedliche Verwirklichung seiner lang gehegten Hoffnungen in aller Eile gewählte Vertreter zu dem provisorischen Kongress nach Frankfurt sandte mit dem Auftrag, die Umrisse und das Grundgerüst zu formulieren, worauf letztendlich ein ständiges Parlament sein Staatsschiff gründen sollte, realisierte Hecker, der als einer der Delegierten gewählt worden war, schon sehr früh, dass es vergeblich sein würde, von dieser Versammlung die Verwirklichung seiner Hoffnungen zu erwarten. Es gab offenkundig eine sehr weite Streuung unter den Delegierten, was die Sichtweise der Themen betraf; während alle darin übereinstimmten, dass der Zeitgeist ein gewisses Maß an Reformen verlangte, wurde doch bald evident, dass im Hinblick auf die Fülle der Gegenstände, der Beratungen und deren Abgrenzung voneinander die Stimmungen innerhalb der Versammlung doch sehr unterschiedlich waren. Die konservative Seite des Hauses beharrte auf der vollen Beibehaltung der Vorrechte der regierenden Souveräne und der striktesten Anlehnung an eine monarchische Regierungsform; ihre Zugeständnisse an das Volk waren begrenzt auf ein eingeschränktes System der Repräsentation, eine moderate Pressefreiheit unter Regierungsaufsicht und Versammlungsfreiheit zu friedlichen Zwecken nach vorher eingeholter Erlaubnis; sie bevorzugte das Weiterbestehen des alten „Bundesraths“ in leicht abgeänderter Form als Zentralregierung eines vereinten Deutschlands.

Die gemäßigt liberale Fortschrittspartei verlangte (S.20) konstitutionelle Monarchien in den einzelnen Staaten mit verantwortlichen Ministerialregierungen, uneingeschränkte Presefreiheit, eine Reduzierung der stehenden Heere und einen Kaiser als Herrscher eines vereinten Deutschlands, der vom Parlament gewählt werden sollte. Die radikalen Anhänger der extremen Linken riefen laut nach der Abdankung der regierenden Souveräne, der totalen Abschaffung der stehenden Heere und einer republikanischen Regierung für ganz Deutschland einschließlich Schleswig-Holsteins und der deutschsprachigen Landesteile Dänemarks.[12]

Innerhalb der drei vorherrschenden Fraktionen gab es viele unterschiedliche Überzeugungen, doch das extremste Mitglied der äußersten republikanischen Linken war Friedrich Hecker. Es gab keine Zweifel an seiner politischen Plattform, und es gab kein Wort wie „Kompromiss“ in seinem Vokabular. Schon bald wandte er sich von der Versammlung ab und rief in einem wortgewaltigen, leidenschaftlichen Appell seine Gefolgsleute aus der Gegend nördlich von Konstanz am Bodensee zu den Waffen. Und sie folgten ihm aus ganzem Herzen mit den Waffen, die sie gerade hatten. Mit Gewehren jeglicher

Ausführung bis hin zur Hakenbüchse kamen sie, mit Schwertern, die noch auf die Kreuzzüge zurückgingen; sie trugen Piken und Lanzen, Streitäxte und uralte Pistolen; die Mehrzahl jedoch kam mit den Waffen des alten Saturn[13] selbst, mit Sensen, die direkt am Griff befestigt und so scharf geschliffen waren wie eine Rasierklinge. Diese waren in der Tat großartige Waffen auf kurze Distanz, doch von wenig Nutzen gegen die Zündnadelgewehre der Armee, und als nach kurzen Verhandlungen auf einem Feld nahe Kandern die Truppen einen Kugelhagel durch die Sensenblätter knattern ließen, flohen die Insurgenten und zerstreuten sich, und die bewaffnete Rebellion fiel in sich zusammen. Dies geschah im Mai 1848.

Hecker, gedemütigt und bitter enttäuscht, nahm Zuflucht in Amerika (S.21) und siedelte sich mit einigen seiner engsten Freunde nahe Belleville in Illinois an.

Schon für einige Jahre vor 1848 war er der Anführer und parlamentarische Volksheld in der ersten in Ansätzen repräsentativen deutschen Regierung, der Ständeversammlung des Großherzogtums Baden, gewesen.[14] Redegewandt, seriös, ein begeisterter Volksvertreter, konnte er sich einer Popularität erfreuen, wie sie unter Sterblichen selten vorkommt. Gut aussehend, von schlanker Gestalt und eindrucksvoller Haltung, freimütig in seiner Sprache und beherzt in seinen Handlungen, wurde er von Männern und Frauen gleichermaßen verehrt. Das berühmte Heckerlied[15] war überall auf den Straßen und Wegen Süddeutschlands zu hören; auf den Dörfern und in den Städten wurde es von früh bis spät, von Jungen und Alten gleichermaßen mit enthusiastischer Inbrunst gesungen, sodass es über das ganze Land widerhallte.

Von lebhaftem Temperament und tadelloser Tapferkeit, überrascht es nicht, dass er, geschmeichelt durch jede nur mögliche Manifestation von Verehrung durch das Volk und fest an die Rechtschaffenheit seiner Sache glaubend, nicht nur auf die größtmögliche Unterstützung seines Volkes zählte, sondern auch zuversichtlich erwartete, die Soldaten, die gekommen waren, um ihn zu besiegen, auf seine Seite ziehen zu können. Wie tief muss sein Kummer gewesen sein, wie schmerzhaft seine Demütigung angesichts des traurigen Scheiterns seiner Anstrengungen. Als im darauffolgenden Frühjahr die Neuigkeit von der zweiten Erhebung in seinem Heimatland ihn in seinem neuen Aufenthaltsort im Westen erreichte, eilte er dennoch, mit dem neu entfachten Enthusiasmus seiner heißblütigen Natur, über den Ozean, nur um bei der Landung von der weit verheerenderen Niederlage und dem noch blutigeren Untergang der Sache zu erfahren, für deren Erfolg er freudig sein Leben gelassen hätte.

Voller Sorgen und beinahe mit gebrochenem Herzen kehrte er zu seinem amerikanischen Domizil zurück und führte für viele Jahre das ruhige Leben eines Farmers im Westen; gelegentlich empfing er Besuche von alten Freunden, die wie er selbst aus ihrem Land vertrieben worden waren, und widmete sich auf seine bescheidene Art den anstrengenden Pflichten seiner neuen Beschäftigung, respektiert für seine lobenswerte Ehrbarkeit, geliebt für seine Aufrichtigkeit und Integrität und bewundert von allen, die ihn kannten, für seinen großartigen und doch einfachen Charakter.

Als unsere eigene Rebellion[16] die Union von den innersten bis in die äußersten Landesteile erschütterte, eilte Hecker zur Verteidigung seiner Wahlheimat mit einem kompletten Regiment, das er selbst aufgestellt hatte. Das 82. Illinois oder sogenannte Hecker-Regiment bestand hauptsächlich aus deutschen Soldaten und gereichte sich selbst und seinem Kommandanten während des Krieges zur Ehre, wovon dieser gegen Ende jedoch mit einer schweren Verwundung zurückkehrte, die ihn für sein ganzes Leben verkrüppelte.

Er kam seinen Pflichten nach mit rechtschaffenem Ernst und enthusiastischer Leidenschaft, die häufig einen Grad an Nachdruck annahm, der an Inbrunst grenzte und ihn gelegentlich in eine aberwitzige und beschämende Lage brachte.

Bei der Wiederwahl von Abraham Lincoln im Herbst 1864 ließ Hecker sein Regiment bewaffnet und ausgerüstet in Paradeuniform antreten und es mit aufgepflanztem Bajonett unter Trommelschlag und wehenden Fahnen zum Wahllokal marschieren, wo alle Soldaten bis zum letzten Mann für den alten Abe[17] stimmten. Als Mr. Lincoln, der Hecker als seinen Nachbarn in Illinois gut kannte, dies hörte, verdross ihn das sehr; er ließ ihn rufen und machte ihm Vorhaltungen wegen seines ungeheuerlichen Verstoßes gegen die allgemein üblichen Sitten. Hecker hielt allen Ernstes dagegen, dass sein Auftritt nicht falsch war; wenn es korrekt war zu wählen, konnte es nicht inkorrekt sein, dies stilvoll zu tun, und da er sein Vorgehen als gerechtfertigt ansah, erzählte er Mr. Lincoln, dass in den Tagen des alten Rom die Legionen ihre Abstimmungen immer dadurch unterstrichen hätten, dass sie mit ihren Schwertern auf ihre ehernen Schilde schlugen. Doch der rechtschaffene alte Abe schien diesen Vergleich nicht zu würdigen und scheiterte dabei, die Ähnlichkeit zwischen einem Regiment von Gimpeln aus dem Westen von Illinois (S.23) und einer römischen Legion zu sehen, noch wollte er eine solche zwischen sich selbst und dem Imperator Caesar erkennen.

Nach Heckers Rückkehr aus seinem vierjährigen Dienst in der Armee, merkte er, dass ihm das ruhige Leben auf der Farm nicht mehr behagte; seine Behinderung stand seinen Verpflichtungen entgegen, und die Stunden seines erzwungenen Müßiggangs lasteten schwer auf ihm. Eine Saison lang suchte er Erleichterung und Zerstreuung in einer Vortragsreise, doch er traf auf Gleichgültigkeit; die Themen seiner Reden, obwohl mit perfektem, gelehrtem Können abgehandelt, passten nicht zu seinen Zuhörern; sein Platz war die Tribüne, nicht das Katheder.

Nicht lange nach dem Französisch-Deutschen Krieg besuchte Hecker seine alte Heimat in Deutschland, wo er von seinen früheren Freunden und Nachbarn begeistert empfangen wurde; mit ihnen freute er sich von ganzem Herzen über die lang ersehnte Erfüllung seiner Hoffnungen, die kurz davor erfolgte Einigung Deutschlands.

Nach seiner Rückkehr nach Amerika zog er sich nach und nach aus dem aktiven Leben zurück; die Gebrechen seines hohen Alters, manchmal einhergehend mit heftigen Schmerzen, suchten ihn in immer rascherer Folge heim, und er starb vor fünf Jahren auf seinem ländlichen Anwesen nahe Belleville, hochgeehrt von allen, die ihn jemals kannten, für seine kompromisslose Ehrenhaftigkeit und seine eiserne Integrität.

Carl Schurz

Der Mann, der gemessen an seiner gehobenen Ausbildung, durch die unzweifelhafte Güte seines Talents und seine großen natürlichen Fähigkeiten der allererste Repräsentant der Deutschen in Amerika hätte sein können und sollen, ist Carl Schurz. Aber das Streben nach solch einer Auszeichnung konnte niemals sein Ehrgeiz sein; der Erfolg, der seine Bemühungen auf anderen Gebieten immer begleitet hat, würde sicherlich eine ausreichende Garantie für eine angemessene Belohnung auf diesem Gebiet abgegeben haben, wenn er in dieser Richtung einen geeigneten Versuch unternommen hätte. Vielleicht fühlte er, dass er, indem er seine Dienste (S.24) seiner Wahlheimat insgesamt zur Verfügung stellte, gleichzeitig am besten die speziellen Interessen seiner deutschen Landsleute vertreten konnte. Wenn das auch hätte so sein können, so ist es doch sicherlich auch richtig, dass er, während er Ruhm erlangte, gleichzeitig an Popularität verlor, und während er Ehrungen erfuhr, die Zuneigung seines Volkes opferte. Und doch unterstellte ihm niemand Unehrenhaftigkeit seiner Motive oder bezweifelte die Aufrichtigkeit seiner Ziele; dennoch: Ihm fehlen die geradlinige, heitere Anhänglichkeit an das eine einwandfreie Prinzip und die unerschütterliche Unterstützung für die eine, rechtschaffene Sache, die kleinere Fehler entschuldigt und unbedeutende Schwächen großzügig übersieht; ihm fehlt die Barmherzigkeit, welche die dem Untergang geweihte Stadt verschont, wenn sich nur drei Gerechte innerhalb ihrer Mauern befinden.[18] Dennoch bin ich geneigt, diese Mängel, die andere einer kaltherzigen, söldnerhaften Selbstsucht angelastet haben, als wenig durchdachtes Pflichtgefühl zu beschreiben. In der Tat wäre es einem kaltherzigen, selbstsüchtigen Charakter unmöglich gewesen, gleichzeitig die aufopferungswillige Hingabe zu besitzen, die Schurz zeigte, als er, nachdem er der Gefangennahme sicher entkommen war, tapfer sein eigenes Leben riskierte, um seinen eingekerkerten Freund Gottfried Kinkel unter schwierigsten Bedingungen zu befreien, ein Unternehmen, das nach höchstem Mut und heldenhafter Beharrlichkeit verlangte.

Zu Beginn der revolutionären Bewegung 1848 war Schurz Student an der Universität Bonn, wo sein Freund, Professor Kinkel, Literaturvorlesungen hielt. Der Aufstand 1849 brachte beiden Positionen im Kriegsgeschehen, indem Kinkel sich in Willichs Freiwilligenkorps einschrieb und in der Schlacht von Rastatt schwer verwundet den Preußen in die Hände fiel. Schurz diente als Assistent Annekes, der das Artilleriekommando in der Festung übernommen hatte. Nach dem Rückzug der Armee von den Feldern um Rastatt wurde die Festung belagert und kapitulierte schließlich. Doch in der Nacht vor der endgültigen Kapitulation entkam Schurz durch Abwasserkanäle und Gräben und erreichte über den Rhein hinweg sicheres Gelände. Kinkel, der als preußischer Untertan und Soldat im Kampf gegen seinen Souverän gefangen genommen worden war, wurde zum Tod durch Erschießung verurteilt und wäre exekutiert worden, wenn er nicht durch Schurzs gewagte Unternehmung gerettet worden wäre. Beide gelangten schließlich nach England, wo Kinkel sich niederließ, doch Schurz kam bald darauf nach Amerika und siedelte sich in Watertown, Wisconsin, an. Seine breitgefächerten Fähigkeiten, vor allem seine Redegewandtheit, machten ihn bald bekannt, und schon 1856 nahm er es bei einem Bankett in Boston mit solchen weit und breit berühmten Rednergrößen wie Sumner und Wendell Philips auf.[19] 1860 war er ein Delegierter der Nominierungsversammlung, die Abraham Lincoln als Kandidat bestimmte, und unterstützte diesen leidenschaftlich während der Kampagne, die in dessen Wahl zum Präsidenten mündete. Nach dem Amtsantritt wurde Schurz zum Botschafter in Spanien ernannt; von diesem Posten trat er aber bald wieder zurück, um ein Kommando in der Armee zu übernehmen. Sein Militärdienst zeichnete sich zwar nicht durch bemerkenswerte Erfolge aus, war jedoch im Ganzen gesehen ehrenvoll und anerkennenswert. Von denen, die ihn kannten und die Gelegenheit hatten, sich ein Urteil zu bilden, wird ihm zugestanden, dass er ein tapferer, hingebungsvoller Soldat war, pflichtbewusst und entschlossen. Seine Militärakte ist umfangreich und die Bandbreite seiner Aktivitäten ausgedehnt. Im August 1862 kommandierte er die 3. Division von Sigels[20] 1. Corps während Popes[21] Aktivitäten bei Manassas. Im Mai 1863 kämpfte er bei Chancellorsville an der Spitze einer Division im 11. Corps; im Juli des gleichen Jahres war er in Gettysburg[22], wo er vorübergehend das Kommando über das gesamte 11. Corps übernahm, als nach Reynolds Tod General Howard den Oberbefehl über das 1., 3. und 11. Corps übernehmen musste; am ersten Tag der Schlacht zeigte Schurz großen persönlichen Mut bei dem Versuch, die zerstreuten Truppen seines Corps zu sammeln, und am (S.26) zweiten Tag wehrte er eine heftige Attacke der Rebellen[23] auf Cemetery Hill ab, wo sein Hauptquartier war.

Nachdem er mit General Hooker nach Westen verlegt worden war, kämpfte er im September bei Chattanooga und nahm im November an der Erstürmung von Missionary Ridge teil.

Nach Ende des Krieges wurde er zusammen mit den Generälen Grant und Thomas von Präsident Johnson[24] in die Südstaaten geschickt, um einen Bericht über deren Zustand anzufertigen und die Stimmung unter der Bevölkerung zu erkunden. Während seiner Zeit im Senat der Vereinigten Staaten brüskierte er die Ultrarepublikaner durch seine offene Parteinahme für eine versöhnliche Politik gegenüber dem Süden[25]; seine Reden über die Santo Domingo-Verhandlungen und die „Waffen-an-Deutschland-Frage“ waren Meisterstücke brillanter Redekunst und logischer Argumentation.[26] Die klare, prägnante und umfassende Art, womit er die Finanzfrage während des inflationären Irrwegs vor ein paar Jahren[27] behandelte, wird von allen ehrlichen Menschen als überzeugend, gründlich und unwiderlegbar anerkannt. Als Minister im Kabinett während der unspektakulären Amtszeit von Präsident Hayes führte er seine Abteilung nach einfachen, aber strengen Geschäftsregeln und verließ den öffentlichen Dienst mit der unangefochtenen Reputation eines ehrenhaften Mannes. Seine danach folgende Karriere auf dem Feld des politischen Journalismus wurde als überkritische Behandlung des Tagesgeschehens bezeichnet und als Übernahme negativer Positionen zwischen den Parteien, die niemanden zufriedenstellten und es für ihn, einfach gesagt, nötig machten, zum Feind zu desertieren, um seine Freunde zu strafen; nachdem er dieses Verhalten zu oft wiederholt hat, befindet er sich nun alleingelassen in den Händen seiner Feinde, und es sind keine Freunde mehr übrig, die er strafen könnte.

(S.27) Alexander Schimmelpfennig[28]

Die geheime Agitation, die dem endgültigen Ausbruch 1848 für eine Reihe von Jahren vorausging, erstreckte sich in einigen wenigen Fällen auch auf die preußische Armee. Die Hauptzentren dieser Bewegung lagen in Westfalen und den Garnisonen am Niederhein; die Offiziere der Artillerieregimenter, die in Köln, Wesel, Münster und Minden stationiert waren, waren besonders betroffen. Einige Offiziere der Infanterie wurden ebenfalls angesteckt. In dem Maß, indem sich die Bewegung verbreitete, wurde es immer schwieriger, sie geheim zu halten; Spione und Polizeiagenten erfuhren davon, gefolgt von „begründeten“ Entlassungen einiger und der erzwungenen Abdankung anderer. Das 7. Artillerieregiment wurde während der Jahre 1846 und 1847 durch die Entlassung seiner Offiziere beinahe entvölkert. Unter ihnen waren August Willich, Joseph Weidemeyer und Friedrich Anneke.

Unter den Offizieren der Infanterie, die um diese Zeit den Dienst quittierten, war Alexander Schimmelpfennig. Er war Leutnant im 29. Infanterieregiment und in meiner Heimatstadt Koblenz stationiert gewesen, und als ich ihn im Mai 1849 in Ludwigshafen gegenüber von Mannheim traf, unmittelbar nachdem Oberst Blenker das bayerische Ende der Schiffsbrücke über den Rhein eingenommen hatte, lernten wir uns natürlich kennen und fühlten uns zueinander hingezogen. Er war damals ziemlich jung, klein und schlank, blond und gut aussehend, aggressiv, kämpferisch, ein wenig hochmütig, aber genial und ziemlich schneidig, das getreue, ideale Abbild eines typischen Unterleutnants der preußischen Armee. Sein seidiger, cremefarbener Schnurrbart war an beiden Enden trotzig nach oben gezwirbelt, und er trug sein Grübchenkinn hoch in die Luft gereckt wie ein Junge, dem der Sinn nach Kloppe stand. Ein paar Tage später wurde ihm von der (S.28) Provisorischen Regierung des linksrheinischen Bayern das Kommando über einige reguläre Truppen übertragen, die auf unsere Seite übergelaufen waren, und die Freiwilligen, die aus allen Landesteilen in Scharen zu uns kamen; er stationierte sie entlang der preußischen Grenze mit dem Hauptquartier Zweibrücken. Bei meiner Ankunft in dieser Stadt bald darauf wurde ich als Hilfskraft des Zivilen Kommissars des Disktrikts, Dr. Weiss, eingeteilt, der nun in Buffalo, New York, lebt und dessen väterlicher Fürsorge und freundlichem Interesse ich bis zum heutigen Tag viel zu verdanken habe. Während Schimmelpfennig seine Rekruten drillte, asssistierte ich Doktor Weiss dabei, Geld in den nahe gelegenen Kohlengruben und Salzkassen zu sammeln[29], ein Prozess, das so rasch und prompt abgewickelt wurde, dass man ihn unter dem Oberbegriff „direkte Besteuerung“ hätte einstufen können. Dies ging etwa drei Wochen so weiter, doch eines schönen Morgens marschierten die preußischen Truppen unter dem Kommando des Prinzen von Preußen über die Grenze, zerstreuten Schimmelpfennigs reguläre Soldaten und Freiwillige, und während er noch versuchte, die Niederlage aufzuhalten, durchschlug eine preußische Gewehrkugel sein Bein. Am selben Morgen hatte ich mir, bevor ich auf meine letzte Sammeltour ging, ein paar Stiefel von Schimmelpfennig geliehen, da meine eigenen in Reparatur waren. Als ich Schimmelpfennig am Nachmittag beim Rückzug zwischen Zweibrücken und Landau traf, hingestreckt in einem Sanitätswagen, sagte er lachend: „Behalte die Stiefel, mein Junge, ich werde sie eine Weile nicht brauchen.“ Drei oder vier Monate später, nachdem wir über die Grenze in die Schweiz gegangen waren, traf ich ihn in Zürich wieder und gab ihm seine Stiefel zurück, allerdings in einem schlechteren Zustand, nachdem ich sie während der Kampagne und auch beim Rückzug getragen hatte.

Ich habe ihn nicht wiedergesehen noch von ihm gehört, bis sein Name in der Zeitung erwähnt wurde als möglicher Oberst für ein deutsches Regiment, das im Frühling 1861 für den Krieg aufgestellt wurde.

Er diente unter Sigel in der Potomac-Armee (S.29) während des Feldzugs von General Pope, kämpfte mutig bei Groveton, und wurde wegen Tapferkeit in der zweiten Schlacht von Bull Run[30] befördert. Bei Chancellorsville kommandierte er die erste Brigade der Schurzschen Division im 11. Corps. Bei Gettysburg kommandierte er die Schurzsche Division am ersten Tag und kämpfte mit Auszeichnung am Cemetery Ridge am zweiten Tag der Schlacht. Im Februar 1864 wurde er nach St. John’s Island im Hafen von Charleston geschickt, und im Februar 1865 marschierte er an der Spitze seiner Division in die Rebellenstadt ein als der erste Soldat der Union, der seinen Fuß auf diese Straßen setzte seit der Beschießung von Fort Sumter.[31]

Sein Gesundheitszustand hatte sich während des letzten Kriegsjahres ernsthaft verschlechtert, und er starb an den Folgen des schlechten Klimas, dem er in den Sümpfen South Carolinas ausgesetzt gewesen war, im September 1865 in Minersville, Pennsylvania.

Friedrich Kapp

Doch die fröhlichste, genialste und wirklich liebenswerteste Person von allen war Friedrich Kapp. Er wurde in Hamm in der preußischen Provinz Westfalen geboren, wo sein Vater Rektor des Gymnasiums war, wie man die deutschen Colleges nennt. Wer jemals durch diesen Teil Deutschlands gereist ist, musste sich von der einzigartigen Schönheit und physischen Vollkommenheit der Menschen dort angezogen fühlen. Hochgewachsen, muskulös mit aufrechter Haltung, mit rosigen Wangen und heller Haut, klaren blauen Augen und lockigen goldenen Haaren sind schon die einfachen Bauern Muster an statuenhafter Schönheit und Grazie, und Kapp war ein ganz ausgezeichneter Vertreter dieses Typs.

Strotzend vor Gesundheit und mannhafter Stärke, seine Augen funkelnd vor Fröhlichkeit und Gutmütigkeit; machte es ihm Freude, seine lustigen Geschichten zu erzählen und seine witzigen Einfälle in diesem speziellen, lispelnden westfälischen Akzent zum Besten zu geben, der für einen (S.30) Süddeutschen immer einen ganz besonderen Charme besitzt. Seine Gesichtszüge waren klar geschnitten, regelmäßig und ein Ausdruck seiner Stärke und seines Charakters, doch es war sein gutmütiges Lächeln, das ihm auf den ersten Blick die dauerhafte Freundschaft aller sicherte; auch die tiefe Narbe auf seiner rechten Wange, ein Relikt aus seiner Zeit an der Heidelberger Universität, konnte sein schönes Gesicht nicht verunstalten.

Nachdem er seine Schulzeit dank der intensiven Unterweisung durch seinen exzellenten Vater schon früh beendet hatte, studierte er Jura zuerst in Heidelberg und dann in Berlin, wo er auch seinen Militärdienst als Freiwilliger in der Gardeartillerie ableistete. Er hatte gerade eine Stellung als junger Advokat am Oberlandesgericht seiner Heimatstadt Hamm angetreten, als die Revolution von 1848 in Paris ausbrach und sich blitzschnell über Deutschland ausbreitete. Nachdem er aktiv an der Agitation teilgenommen hatte, die den Wahlen vorausging, zog er nach Frankfurt, um an der Nationalversammlung in dieser Stadt seinen Anteil zu nehmen, indem er dort als Korrespondent für einige führende Tageszeitungen tätig war, bis anlässlich der blutigen Erhebung im September Fürst Lichnowski und Baron von Auerswald[32], zwei reaktionäre Parlamentarier, getötet wurden; daraufhin hielt er es für klug, nach Paris zu gehen, wo zu diesem Zeitpunkt gerade die Agitation der Bewegung begonnen hatte, die zur Wahl Louis Napoleons im darauffolgenden Dezember führte.

Während des Winters 1848/49 blieb Kapp in Paris, war als Korrespondent für verschiedene Zeitungen tätig und schrieb Beiträge für einige deutsche Periodika.

Als wir im Mai und Juni in Süddeutschland auf dem Feld gegen die Preußen standen, besuchte uns Kapp ein- oder zweimal, doch er nahm keinen aktiven Anteil an der Kampagne; als wir uns nach dem katastrophalen Ende derselben in die Schweiz zurückzogen, traf ich ihn im August in Genf, wo er bei der Familie des berühmten russischen Revolutionärs Alexander Herzen lebte, dessen literarisches Werk er für die Publikation vorbereitete, während er zur gleichen Zeit mit der Erziehung des kleinen Sohns von Herzen betraut war. Anfang 1850 kam er nach New York, wo er sich zunächst mit literarischer Arbeit beschäftigte und unter anderem eine klare, kurze Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten veröffentlichte, deren übersichtlicher Umfang hauptsächlich dazu beitrug, dass die deutsche Bevölkerung über diesen wichtigen Gegenstand aufgeklärt wurde, der zu dieser Zeit einen so großen Anteil am politischen Leben dieses Landes hatte. Außerdem wurde er Herausgeber einer Zeitung namens „New Yorker Abend-Zeitung“, die von einer Druckerkooperation publiziert wurde. Er schrieb die Biographien von Baron Steuben und von de Kalb[33]; beide wurden ins Englische übersetzt und erreichten eine weite Verbreitung. Als er später zum Kommissar für Auswanderung ernannt wurde, schrieb er eine allgemeine Geschichte der Emigration, die zahlreiche statistische Informationen enthält.[34] Beinahe während dieser ganzen Zeit führte er mit seinen Partnern Zitz und Fröbel ein Geldinstitut für ausländische Währungen. Fröbel, der ein Bruder des Gründers der wohlbekannten Kindergarten-Methode zur kindlichen Früherziehung war, hatte an der revolutionären Bewegung in Wien im Sommer 1848 aktiv teilgenommen. Als die Stadt schließlich durch Truppen des österreichischen Kaisers, der beim Ausbruch der Revolution gezwungen gewesen war, nach Innsbruck in Tirol zu fliehen, wieder eingenommen wurde, wurde Fröbel zusammen mit Robert Blum aus Köln, einem weiteren Mitglied des Parlaments, gefangen genommen, und beide wurden von einem Kriegsgericht zum Tod durch Erschießen verurteilt. Blum wurde hingerichtet, doch Fröbel wurde unerwarteterweise im letzten Moment begnadigt und ohne Auflagen entlassen.

(S.32) Die Firma von Zitz, Kapp & Fröbel löste sich in den 60er Jahren auf, und Kapp kehrte etwa zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges in sein Heimatland zurück; bald danach wurde er in das Reichsparlament gewählt, in dem er bis zu seinem Tod vor etwa zwei Jahren seinen Dienst tat zu seinem eigenen Ansehen und zur anerkennenden Zufriedenheit seiner Wähler.

Christian Essellen

Zu den früheren Schulfreunden und späteren Kommilitonen Friedrich Kapps gehörte Christian Essellen, dessen Karriere ich kurz erwähnen möchte, schon wegen des Kontrasts.

Sein Vater war ein ruhiger, unauffälliger, respektabler alter Gentleman, ein Beamter des Oberlandesgerichts Hamm, Westfalen, mit einem kleinen Einkommen, aber mit einem beeindruckenden Titel, lang genug, um, wie sein boshafter Sohn uns mit genüsslichem Spott erzählte, aus dem einen Wort einen vollständigen Hexameter zu bilden. Hören Sie seinem Klang zu: „Oberlandesgerichtssalariencassenrendant“. Neunzehn Silben und neunundreißig Buchstaben in einem Wort; vierzehn Vokale und fünfundzwanzig Konsonanten. Und was glauben Sie, bedeutet das alles? Hören Sie weiter zu, und ich werde es Ihnen sagen. Es bedeutete, dass der arme alte Mann der Kassierer eines Fonds war, in dem das Geld für die Bezahlung der Bezüge der Beamten des Obersten Landgerichts deponiert war. Wer wagt es, mir nach all dem zu sagen, dass meine Muttersprache nicht präzise und ausdrucksstark ist? Von seinem kleinen Einkommen schaffte es der arme alte Gentleman mit dem ausgedehnten Titel dennoch, seinem Sohn Christian eine erstklassige Ausbildung angedeihen zu lassen, die, unterstützt durch einen außerordentlich lebhaften Intellekt, schon zu einem ungewöhnlich frühen Zeitpunkt einen Verstand von seltener Brillanz entwickelte. Noch bevor er neunzehn war, hatte er eine Tragödie mit dem Titel „Rienzi Cola“[35] geschrieben und sich damit in den (S.33) Augen der Kritiker höchst schmeichelhafte Verdienste erworben. Aber gleichzeitig mit seinem Wissen sog er auch das Gift des Bösen ein. Er verließ die Universität als intellektueller Riese, aber gleichzeitig auch als moralisches Wrack. Er wurde der Sklave jeglichen Lasters; er machte keinen Versuch, den Verlockungen zu widerstehen, sondern schien ein teuflisches Entzücken dabei zu empfinden, jegliche Tugend zu beleidigen und sich über jedes Gesetz hinwegzusetzen. Tatsächlich war er die Verkörperung eines rücksichtslosen Rebellen gegen jede Anstandsregel und jede Art von Schicklichkeit, doch durch all diese erstaunliche Bosheit hindurch strahlte das helle Licht seines Geistes. Im gesellschaftlichen Umgang konnte er der entzückendste Gefährte sein, klug, witzig und funkelnd, doch im nächsten Augenblick konnte er sich in ein vollkommen widerwärtiges Ärgernis verwandeln.

Das Jahr seines Militärdienstes in Berlin verbrachte er hauptsächlich im Arrest, und nach seiner Entlassung aus der Armee stürzte er sich sofort in die turbulente politische Agitation, die gerade zu diesem Zeitpunkt eine fiebrige Höhe erreicht hatte. In Zeiten wie diesen kommandiert der extremste Anführer immer die größte Anhängerschaft. Rücksichtlos in seiner Manier, kühn und aufsässig in seinen Äußerungen und obendrein attraktiv in seinem jugendlichen Wagemut, war er das Idol des Gesindels und der Liebling der Massen. Er würde immer so weit gehen, wie andere bereit waren, ihm zu folgen. Die Rebellion von 1848 fand ihn natürlich im Zentrum des größten Aufruhrs. Er hatte Jura an den Universitäten Berlin und Heidelberg studiert, und, durch die Stärke seiner Fähigkeiten die blinde Göttin verspottend[36], arbeitete er als Militärjurist bei der Provisorischen Regierung in Karlsruhe während der kurzen Zeit, in der diese existierte.

Mit den anderen zusammen über die Grenze in die Schweiz vertrieben, ohne Beschäftigung oder Beruf, durchlebte er eine Phase wildester Genusssucht, die allein aufgrund physischer Erschöpfung ihr Ende fand. Reduziert zu einem Schatten seines früheren Selbsts, mit zitternden Nerven und nervösen Zuckungen (S.34) überquerte er den Kanal nach England, und nach einer kurzen Zeitspanne, während der er sich zum Teil wieder zu erholen schien, kam er 1852 oder 1853 in dieses Land. Hier machte er eine letzten ernsthaften Versuch der Erneuerung, und eine Weile konnte man auf Erfolg hoffen. Während dieser Periode schloss er sich in Cleveland an Ihren Mitbürger J.H. Klippart an, an den sich zweifellos viele von Ihnen erinnern werden als an den fähigen und effizienten Landwirtschaftsminister, dessen zahlreiche wertvolle Beiträge zur Literatur dieser Abteilung die Entwicklung des landwirtschaftlichen Sektors dieses Staates äußerst befördert haben.

Gemeinsam veröffentlichten Essellen und Klippart irgendwann 1855 oder 1856 ein Periodikum mit dem Namen „American Liberal“. Es war gekonnt gemacht, doch seine Lebensdauer war kurz.

Nach dem Ende dieses Periodikums kehrte Essellen in den Osten zurück, wo er wieder in seine Genusssucht zurückfiel und starb. Seine letzten Tage verbrachte er in einem Trinkerasyl auf Blackwell’s Island[37]; nachdem er seinen letzten Atemzug getan hatte und, umstanden von trauernden alten Freunden, im Sarg lag, stürzte ein anderer Insasse dieser Institution, ebenfalls ein Teilnehmer an der Rebellion und nun im Exil, Freiherr Fenner von Fenneberg, ein österreichischer Adeliger und einst ein angesehener Offizier der deutschen Armee, der nun an einem Anfall von Geisteskrankheit litt, in den Raum und bestand darauf, eine Grabrede über der Leiche seines verschiedenen Freundes zu halten.

Mit dieser gespenstischen Szene ist die Geschichte von Christian Essellens bemitleidenswertem Leben abgeschlossen.

Franz Sigel

Er war einer der wenigen Offiziere der regulären Armee des Herzogtums Baden, die nicht beim Ausbruch 1848 ihrem Großherzog (S.35) ins Exil folgten, sondern ihre Dienste der Revolutionsregierung anboten. Sigel wurde das Kommando über alle militärischen Kräfte angeboten, doch er lehnte diese Verantwortung bescheiden ab, weil er zweifelsohne aufgrund seiner fehlenden Erfahrung ein mangelndes Vertrauen in seine Fähigkeiten verspürte. Doch nachdem das letzte Gefecht geschlagen und die beiden polnischen Kommandeure, die Generale Sznyda und Mieroslawski, dem Erfolgsdruck nicht gerecht werden konnten, der auf ihrer Führung lag, schrien die Soldaten nach Sigel, der daraufhin das Kommando über die Armee übernahm und den endgültigen Rückzug in die Schweiz anführte. Während seines Exils in Genf und Zürich führte Sigel ein sehr zurückgezogenes Leben, hielt sich abseits von seinen Kameraden und vermied allen gesellschaftlichen Verkehr. Schon damals war wenig über ihn bekannt, und heute ist es, abgesehen von seiner Militärakte, ebenso. Falls er ein großer Mann ist, so versäumte er es zu zeigen, obwohl seine Chancen dazu vielfältig waren. Als Soldat zeigte er sich fähig und errang auch einigen Erfolg, solange er in untergeordneten Positionen war; in Positionen höherer Verantwortung jedoch konnte er aus solchen Situationen keinen Erfolg ableiten, den ein ehrgeizigerer Mann durch rasche Handlungen und Entscheidungen für sich erreicht hätte. Wann immer er seine Fähigkeiten zeigte, war es bei zweitrangigen Gelegenheiten und in geringeren Dingen. Sein berühmter Rückzug von Carthage in Missouri im Juli 1861 vor Gouverneur Jacksons überlegenen Truppen war einfach ein gekonnt ausgeführtes Artillerie-Manöver, und das war der Zweig des militärischen Dienstes, in dem Sigel besonders ausgebildet war. Bei Wilsons Creek und Pea Ridge kamen seine beruflichen Kenntnisse als beste von wenigen verbliebenen Möglichkeiten wieder ins Spiel und machten seinen Namen so bekannt, dass ihm, als die Virginia-Armee im Juni 1862 aufgestellt wurde, das Kommando des 1. Corps anvertraut wurde, nachdem Fremont, der nicht gewillt war, unter Pope zu dienen, zurückgetreten war. Zwischen (S.36) Pope und Sigel traten häufig Missverständnisse auf, was Befehle auf der einen Seite betraf und Interpretation und Ausführung derselben auf der anderen Seite; dies führte zu missgelaunten Vorwürfen aufseiten Popes und mürrischen Erwiderungen und verdrossenen Handlungen aufseiten Sigels. Diese Streitereien setzten sich während der militärischen Operationen im Shenandoah Valley fort und kulminierten in belastenden Vorwürfen gegen Sigel nach der zweiten Schlacht von Bull Run. Aber diese Schlacht beendete ebenso Popes Karriere, der von McClellan im Kommando direkt vor dem Antietam-Feldzug abgelöst wurde, in dem Sigel das 11. Corps der neu organisierten Armee kommandierte. Als Hooker auf McClellan folgte, entließ er Sigel als Kommandeur just in dem Augenblick, als die Armee nach Chancellorsville aufbrach, und da es keinen speziellen Grund für diese scheinbare Degradierung zu geben schien, mag es wahr sein, dass das schlechte Benehmen der Soldaten des 11. Corps bei diesem Gefecht zumindest zum Teil auf ihre Demoralisation zurückzuführen war, die auf das Konto der unangemessenen Behandlung durch ihren Kommandeur ging.

Mit diesem Rückzug vom Kommando endete Sigels aktive Teilnahme am Krieg. Seitdem hat er in relativer Abgeschiedenheit in New York gelebt. Ein- oder zweimal hat er an politischen Kampagnen teilgenommen, zu Deutschen gesprochen und dabei, wenn ich mich recht erinnere, die Seite der Demokraten bei dem jeweiligen Thema vertreten. Er hatte zahlreiche Ämter in der Stadt und im Staat inne, und dient nun der Regierung der Vereinigten Staaten als Angestellter der Rentenversicherung für den Distrikt New York. Er ist eher bekannt – und so wird man sich auch an ihn erinnern – für die herausgehobenen Positionen, die er bekleidete, als für die Taten, die er vollbrachte.

August Willich

Unter den preußischen Offizieren, die 1847 wegen ihrer Teilnahme an der politischen Bewegung entlassen wurden, (S.37) war auch Hauptmann August Willich vom 7. Artillerieregiment. Er war von vornehmer Abstammung aus einer langen Reihe wegen Tapferkeit im Dienst ihres Landes ausgezeichneter Soldaten, und er selbst war von Kopf bis Fuß ein glänzender Soldat. Im Frühling 1848 trat er den militärischen Kräften unter Hecker in Baden bei, und nach einem kurzen Exil in Frankreich kehrte er im September zurück zu einem zweiten Versuch unter Gustav Struve, und nachdem dieser Einmarsch gescheitert war, zog er sich mit einigen seiner Männer nach Besançon am westlichen Rand des Jura zurück, das hier die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz bildet. Dort formte er aus seinen Exilkameraden eine Militärkompanie und exerzierte mit ihnen, wie nur er es konnte. Bei der allgemeinen Erhebung im Mai 1849 meldete sich Willich prompt mit seiner Einheit aus Flüchtlingen, nun schon Veteranen der Rebellion, und spielte eine bedeutende Rolle während der zweitägigen Kampfhandlungen bei Rastatt. Nach dem Rückzug der Armee in die Schweiz zog sich Willich erneut nach Besançon zurück, wurde jedoch bald von der französischen Regierung gezwungen zu gehen; daraufhin schiffte er sich irgendwann während des Jahres 1850 nach England ein, und ein oder zwei Jahre später kam er nach Amerika, wo er eine Anstellung in einem der technischen Trupps der Küstenvermessung fand. Danach ging er nach Cincinnati und engagierte sich als Journalist. Beim Ausbruch unseres Bürgerkriegs meldete er sich sofort freiwillig in Robert McCooks 9. Ohio-Regiment, das sich hauptsächlich aus Soldaten zusammensetzte, die in deutschen Armeen ausgebildet worden waren. Er wurde als Adjutant aufgestellt, und als das Regiment Camp Dennison verließ, um in das Zentrum des Krieges in West Virginia zu ziehen, kam ihm unter den freiwilligen Militärs keiner an allgemeiner Tüchtigkeit gleich. Während des Feldzugs in West Virginia zog er die Aufmerksamkeit von Indianas Gouverneur Morton auf sich, der ihm im 32. Infanterieregiment seines Staates eine Obristenstelle anbot; er nahm dieses Angebot an und verblieb (S.38) dort, bis er in einen höheren Rang aufstieg.

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Willich als Soldat die Perfektion in Person war, und es ist keine Herabsetzung, sondern einfach die Wahrheit, hinzuzufügen, dass er absolut ungeeignet war für alles andere. Es war erhebend, ihn sein Schwert ziehen zu sehen, und es war tatsächlich erniedrigend, seine linkischen Versuche zu beobachten, mit denen er die einfachsten Dinge des alltäglichen Lebens zu meistern versuchte. Er kämpfte bei Perryville unter Alexander MacCook und wurde am Stone River gefangen genommen, als er, begierig, seinem Vorgesetzten selbst die Bewegung einer Rebellentruppe an seiner Flanke zu melden, allein zum Hauptquartier ritt und auf dem Rückweg dem Feind direkt in die Arme lief. Bei Mumfordville erlaubte das überlegene Training seines Regiments, obwohl in einer unregelmäßigen Kampflinie zerstreut, einer sehr heftigen Attacke eines Regiments von Texas Rangern zu widerstehen, deren Oberst zu töten und die Truppe mit schweren Verlusten zurückzuschlagen. Dieser kleine Kampf wird als eine der brillantesten Leistungen des Krieges beschrieben. Ein kleiner gelber Texas-Mustang mit weißer Mähne wurde von Willich eingefangen und von ihm dem kleinen Sohn des Richters Stallo in Mount Auburn geschickt, wo er das Lieblingstier der ganzen Nachbarschaft wurde.

In Shiloh kam Willich mit dem von ihm kommandierten 32. Indiana früh am Montagmorgen an und eröffnete sofort eine tapfere Attacke gegen den Feind, traf jedoch auf hartnäckigen Widerstand. Als er merkte, dass seine Männer unter dem schweren Feuer die Kontrolle zu verlieren begannen, trat er vor sie hin und drillte sie volle zehn Minuten lang nach dem Waffenhandbuch, um sie, so wie er sagte, zu beruhigen und zu festigen, und setzte dann das Gefecht fort.

Es sagt schon genug, dass er in Chickamauga bei Thomas war.[38] In einem der Gefechte bei Atlanta erhielt er eine schwere Verwundung am Oberarm, die ihn (S.39) vom aktiven Dienst ausschloss; nachdem er sich einigermaßen erholt hatte, erhielt er einen Kommandoposten in Cincinnati, wo er bis Kriegsende blieb.

Die alte Redensart, dass die Republikaner undankbar sind, ist wie viele andere nur zum Teil wahr, doch die Art und Weise, wie sie ihre Dankbarkeit ausdrücken, macht es manchmal fraglich, ob die Belohnung nicht tatsächlich eine Strafe ist. Wenn ein Mann seinem Land auf die eine Art gut gedient hat, wird er gewöhnlich gezwungen, ihm auf eine andere Art zu dienen, für die er überhaupt nicht geeignet ist. Die Wahl General Willichs zum Rechnungsprüfer von Hamilton County ist ein zynisches Beispiel dafür, das noch verstärkt wird durch eine Wiederholung der Prozedur. Es war der Versuch, dem tapferen alten Soldaten eine Gelegenheit zu geben, von dem beträchtlichen Einkommen seines Amtes genug zu sparen, um für den Rest seiner Tage bequem zu leben; doch er dachte so wenig daran, Geld für sich zurückzulegen, wie er fähig war, das Amt des Rechnungsprüfers auszuüben. Er wurde ein leichtes Opfer betrügerischer Einflüsterungen und der bevorzugte Gesprächsgegenstand eingebildeter Griesgrame, und obwohl er teures Lehrgeld für seine Erfahrungen bezahlte, zog er doch keinen Gewinn aus diesen Lektionen. Um ihn vor im Alter drohender Not zu retten, sicherten seine Freunde schließlich während des letzten Jahres seiner zweiten Amtszeit einen Teil seines Einkommens und investierten es so, dass er nicht darüber verfügen konnte außer in kleinen Beträgen, die nach und nach daraus entnommen wurden. Auf dieses Taschengeld angewiesen, schaffte er es, da er genügsam war, einige Jahre auf Reisen zu überleben und an derselben Universität Berlin Philosophie zu hören, an der er fünfzig Jahre zuvor als junger Kadett die Kriegskunst studiert hatte. Nach der Rückkehr in dieses Land zog er sich in das ruhige, kleine Dorf Saint Marys in Auglaize County zurück, in der Nähe einiger alter Freunde aus Soldatentagen, verfolgte mit der Begeisterung eines Schuljungen weiter die Studien, die er an der Universität Berlin begonnen hatte, (S.40) und verbrachte seine Freizeit in ausgelassenen Spielen mit der Dorfjugend, deren liebster Freund er war.

Eines Abends zog er sich bei vollkommener Gesundheit und guter Laune zurück, und am nächsten Morgen wurde er von den Dorfkindern auf ihrem Spielgelände vermisst. Während der Nacht war er gestorben, wie es schien, ohne jeden Kampf.

Friedrich Anneke

Unter den Offizieren des Westfälischen Artillerieregiments, die den Dienst vor dem Aufstand von 1848 verließen, war Friedrich Anneke. Zum Zeitpunkt seines Abgangs war er Oberleutnant. Er war ruhig, fleißig und zurückhaltend, fast mürrisch, doch positiv in seinen Überzeugungen und entschlossen in seinen Handlungen. Er nahm an herausragender Stelle an der Bewegung im Frühling 1848 in Münster und Köln teil, wo er für eine Zeit lang mit anderen eingesperrt war, weil sie aufrüttelnde Reden gehalten und aufwieglerische Veröffentlichungen produziert hatten. Im Mai 1849 wurde er Chef der Artillerie der Revolutionsarmee in Baden und übernahm als solcher das Kommando der Festung in Rastatt; da er jedoch sehr gut wusste, dass er bei einer Gefangennahme nach einer eventuellen Kapitulation sicherlich erschossen werden würde, flüchtete er kurz vor der Einnahme der Festung und zog sich mit der Armee in die Schweiz zurück. Nach einem kurzen Aufenthalt in England kam er in die Vereinigten Staaten und siedelte sich in Milwaukee an. Wenn er irgendeinen Anteil an unserem Rebellenkrieg genommen hat, dann keinen sehr auffälligen, aber ich glaube, dass er zu dieser Zeit wegen seiner Gesundheit in Europa war. Er starb vor ungefähr zehn Jahren in Chicago. Seine Frau Mathilda Francisca Anneke überlebte ihn bis vor zwei Jahren. Sie war eine Frau von herausragendem Charakter und seltenen Fähigkeiten. In ihrer Jugend war sie berühmt für ihre Schönheit und ihre würdevolle Grazie; sie war schon jung an einen westfälischen Edelmann mit ausschweifenden Gewohnheiten und brutalen Instinkten verheiratet worden (S.41), der sie sehr schlecht behandelte, sodass sie gezwungen war, ihn zu verlassen und eine Scheidung zu erwirken. Sie heiratete Anneke kurze Zeit nach seiner Entlassung aus der Armee. Bis dahin hatte sie schon einige Bücher über Lokalgeschichte geschrieben und auch einige belletristische Werke. Sie begleitete ihren Mann während der gesamten Kampagne von 1849 und teilte danach sein Exil.

In Milwaukee gründete sie eine Schule für den Unterricht junger Frauen, die offensichtlich sehr gut geführt und hauptsächlich durch die beste Gesellschaft der Stadt und der Umgegend gefördert wurde. Ihre Stimme war sehr sanft und melodisch, ihre Sprache immer ernst, würdevoll und einprägsam; die Gegenstände ihrer Unterhaltung waren immer mit Geschmack, Takt und gesundem Urteilsvermögen gewählt, ihre Manieren waren anmutig und gefällig.

Das Lebenswerk einer solchen Frau kann nicht vergeudet sein, und wir können sicherlich annehmen, dass der wohltuende Einfluss ihres Unterrichts und ihres Beispiels unter ihren Schülerinnen und danach unter deren Nachkommen noch in zukünftigen Generationen fühlbar sein und geschätzt werden wird.

Carl Heinzen

Er war ein herausragender Journalist und ein vollendeter Schriftsteller von wunderbarer Kraft und Einfluß; prägnant und klar in den Ausführungen, bitter und leidenschaftlich in der Anklage und unerbittlich in der Verfolgung; ein strenger, kompromissloser Kritiker, ein Mann, der bewundert wurde, doch eher gefürchtet als geliebt.

Seine überaus produktive Feder beschäftigte die deutschen Zensoren während vieler Jahre vor der Revolution. Die meisten seiner Veröffentlichungen wurden schon aus Prinzip konfisziert, sobald sie die Presse verließen (S.42), wenn sie nicht schon von der Polizei im Setzraum abgegriffen worden waren.

Physisch war er ein Mann von hünenhaftem Ausmaß, sechs Fuß oder mehr[39], kräftig und stark, doch ohne physische Aggressionen. Er schien zu fühlen, dass seine Feder mächtiger war als sein Schwert, und er zog es vor, seinen Feind mit grimmigen revolutionären Aufrufen und die Seele bewegenden Moralpredigten aus der Distanz zu attackieren, doch er würde nie einen Tropfen Blut vergießen – nicht das seine Feindes und auch nicht sein eigenes; und während der Rest von uns kämpfte und danach um sein Leben lief, um woanders weiter zu kämpfen, rannte Heinzen, der überhaupt nicht gekämpft hatte, mit den anderen davon, doch offensichtlich mehr mit Blick darauf, endgültig sein Leben zu retten als in der Zukunft den Kampf noch einmal aufzunehmen.

Während unserer Zuflucht in Genf lebten wir nahe beieinander in Grand Pré an der heckengesäumten Straße nach Petit-Sacconnex in der Nähe des Landsitzes von Albert Galeer[40], dessen gastfreundliches Haus im eintönigen Winter 1849 zu einem heiteren Heim für so manchen Wanderer wurde. In einem kleinen Varieté, in dem der Rotwein aus dem Tessin und der purpurfarbene Verschnitt aus dem Canton de Vaux so billig verkauft wurden, dass sogar wir, die mit Armut geschlagenen Mitglieder der „Schwefelbande“[41], es uns leisten konnten, auf Kredit zu trinken, war Heinzen unser häufiger Gast.

Er erreichte New York nach einem kurzen Aufenthalt in England im Laufe des Jahres 1851, und nachdem er dort einige Jahre lang eine Zeitung herausgebracht hatte, ging er nach Boston, wo er weiterhin seine Veröffentlichungen mit beachtlichem Erfolg publizierte bis zu seinem Tod etwa vor acht Jahren.

Oswald Ottendorfer

Als Oswald Ottendorfer im Mai 1849 nach Kaiserslautern kam, um der Provisorischen Regierung (S.42) seine Dienste anzubieten, trug er die Uniform der Akademischen Legion der Universität Wien, wo er Student gewesen war und wo er an der Erhebung des Jahres davor und an dem damals erst kürzlich erfolgten Aufstand im Zusammenhang mit der Kossuth-Bewegung in Ungarn teilgenommen hatte.[42] In der Kampagne in Süddeutschland diente er als Freiwilliger und wurde schließlich wie alle anderen auch ein Exilant in der Schweiz, von wo er 1850 nach Amerika emigrierte. Wir hatten uns in Deutschland gekannt, und als ich ihn kurz nach seiner Ankunft in New York an einem Sonntag, den ich von der Kohlfarm auf Long Island freibekommen hatte, traf, ging Ottendorfer in äußerster Not und aus schierer Verzweiflung mit Körben voller Getränke mit großartigen Etiketten aber zweifelhaften Inhalts in einer fragwürdigen Gegend hausieren. Als ich ihn während des Jubiläumsjahres[43] wiedertraf, fuhr uns sein livrierter Diener von seinem prächtigen Büro in Printing House Square zu seinem Landsitz gegenüber den Palisaden in Manhattanville mit Blick über den Hudson, wo wir auf seine edle Frau trafen, deren freigebige, karitative Legate die Ursache dafür sein werden, dass man sich ihrer für immer in herzlicher Dankbarkeit erinnern wird. Während eines köstlichen Dinners fochten wir die Schlachten unserer Jugend ein zweites Mal, und als ich ihm zu seinem bemerkenswerten Erfolg gratulierte, fühlte ich, dass das Glück keinem wertvolleren und verdienstvolleren Mann hätte lächeln können. Seine „New York Staatszeitung“ hat eine riesige Auflage und wird von allen Deutschen ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit gelesen; ihr unabhängiger Geist und der große Sachverstand, womit sie herausgegeben wird, bilden einen erfreulichen Kontrast zu dem dieser Tage vorherrschenden Journalismus, während der hohe persönliche Charakter und die anerkannt gediegene Integrität ihres Herausgebers eine Quelle des Stolzes für seine aus Deutschland gebürtigen Landsleute sind, und seine gesellige, weichherzige Freundlichkeit ist die Freude und das Vergnügen seiner zahllosen Freunde.

Blenker[44]

Blenker schien von frühester Jugend an ein Glücksritter gewesen zu sein. Noch als Junge diente er als Freiwilliger in Griechenland im heroischen Kampf dieses Landes gegen das Joch der Türken. Während des Sommers 1848 exerzierte er eine Kompanie der Bürgerwehr in der Stadt Worms ein, jener Stadt, die berühmt ist für ihre Kathedrale und für die berühmte Verhandlung, in der Luther seinen Richtern entgegenhielt: „Ists Menschenwerk, so wird es von selber vergehen; ists aber aus Gott, so wird niemand sein, der es zerstört.“ [45] Und als im Mai 1849 die Neuigkeit von der Flucht des Großherzogs von Baden Blenker erreichte, marschierte er mit seiner Kompanie den Fluss hinauf nach Ludwigshafen und besetzte die kleine Garnison am bayerischen Ende der Brücke, die den Rhein bei Mannheim überspannt. Er war ein schneidiger Geselle, der tadellos im Sattel saß und zu stolz war, um etwas anderes sein zu können als tapfer. An einem hellen Sonntagmorgen unternahm er den kühnen Versuch, die Festung Landau zu stürmen, doch nachdem man ihm ein paar Traubenkartätschen[46] über den Wall geschickt hatte, überdachte er seinen Plan und beschloss, Landau in Ruhe zu lassen. Er kommandierte so gut es eben ging eine große Armee unterschiedlichster Freiwilliger, und seine energische, bleichgesichtige kleine Frau ritt während der ganzen Kampagne an seiner Seite, von Zweibrücken an der Grenze zwischen Frankreich und Bayern durch die Pfalz, über den Rhein, nach Mannheim und wieder zurück nach Rastatt, über die schattigen Berge des Schwarzwalds an Freiburg vorbei und wieder über den Rhein bis in die Schweiz.

Wo genau Blenker die kurze Zeitspanne zwischen Kriegsende und seiner Ankunft in New York 1851 verbracht hat, dessen kann ich mich nicht mehr entsinnen, doch ich erinnere mich gut an die Milchfarm, die er in Orange County am Hudson betrieb, (S.45) wo Buttermilch und aromatischer Käse in sehr großzügiger Weise unentgeltlich an ihn besuchende Freunde verteilt wurden.

Offensichtlich war er 1861 gerade einmal wieder am rechten Ort, denn wir lesen, dass er den Rückzug von Bull Run nach Washington gedeckt hat. Während der militärischen Operationen im Shenandoah Valley Anfang 1862 kommandierte er eine Division, doch später spielte seine Gesundheit nicht mehr mit, und er starb noch vor Kriegsende.

Joseph Weydemeyer

Er war einer dieser widerspenstigen preußischen Artillerieoffiziere, deren Entlassung während des Jahres 1847 gefordert wurde. 1848 war er bei der Köln-Mindener Eisenbahn als Ingenieur beschäftigt, und durch seine Unterweisung erhielt ich die ersten praktischen Instruktionen meines Berufslebens. Nach der Niederlage der revolutionären Bewegung 1849 kam er nach New York, wo er sich in journalistischen Unternehmen engagierte; danach siedelte er nach Milwaukee, ging aber 1860 nach New York zurück wegen einer Anstellung als Ingenieur der Central Park-Kommission.[47] 1861 meldete er sich in St. Louis freiwillig zu Fremont[48], wonach er zuerst die Errichtung von Befestigungen in der Gegend übernahm und danach die Position eines Oberstleutnants im 2. Artillerieregiment von Missouri; als solcher verbrachte er lange Zeit damit, die Südstaatenguerilla zu bekämpfen. Gegen Kriegsende kommandierte er das 41. Missouri-Infanterieregiment und war außerdem Kommandeur von St. Louis.

1886 wurde er zum Rechnungsprüfer von St. Louis County gewählt, doch er hatte kaum sein Amt angetreten, als er in der Blüte seiner Jahre an der Cholera starb. Seine Frau, die ein paar Jahre später in Pittsburgh starb, war eine Schwester von Dr. Otto Luenig, (S.46) einem hervorragenden Journalisten und Herausgeber der „Neuen Deutschen Zeitung“[49], dem führenden Organ der demokratischen Seite im Frankfurter Parlament während der aufregenden Tage 1848 und 1849. Zwei weitere Brüder, die an der frühen 1830er Bewegung teilgenommen und Zuflucht in der Schweiz gesucht hatten, waren Professoren an der Universität Zürich zu der Zeit, als ich die Gastfreundschaft dieser angenehmen Stadt genoss.

Lorenz Brentano

Während des Aufstands 1849 hatte er die Position des Präsidenten der Provisorischen Regierung inne und lebt heute immer noch in Chicago. Er wurde 1813 im Mannheim im Großherzogtum Baden geboren. Er erhielt eine klassische Ausbildung, studierte Jura in Heidelberg und Freiburg und praktizierte nach Abschluß seiner Prüfungen am Obersten Staatsgerichtshof. In dem berühmten Verfahren gegen Gustav Struve, der des Hochverrats angeklagt war, zeichnete er sich als führender Verteidiger zum ersten Mal aus. Nachdem er das gesetzliche Alter erreicht hatte, wurde er in die Ständeversammlung gewählt, wo er bald der anerkannte Anführer der Opposition wurde.

1848 wurde er in das Parlament gewählt, und nach dem Ausbruch 1849 wurde er Präsident der Revolutionsregierung, wofür er in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Nach seiner Emigration in dieses Land ließ er sich zuerst auf einer Farm in Kalamazoo County, Michigan, nieder; 1859 ging er nach Chicago und eröffnete eine Anwaltspraxis; 1862 diente er als Mitglied der gesetzgebenden Versammlung von Illinois, und, nachdem seine Zeit dort abgelaufen war, wurde er ein Mitglied der Chicagoer Schulbehörde.

1868 war er Delegierter des nationalen, republikanischen Kongresses, der Grant und Colfax ernannte[50], und während der ganzen Zeit war er auch Chefherausgeber und (S.47) Haupteigentümer der „Illinois Staatszeitung“. 1869 profitierte er von der allgemeinen Amnestie und besuchte sein Heimatland, von wo er gerade rechtzeitig zurückkehrte, um nach dem großen Chicago Feuer[51] von seinem Eigentum noch zu retten, was zu retten war.

Von 1872 bis 1876 diente er als Konsul der Vereinigten Staaten in Dresden und wurde danach vom Chicago Distrikt in den 45. Kongress gewählt.

Im Winter 1848 traf es sich, dass ich bei einer sehr amüsanten und auch aufregenden Szene dabei war, in welcher Brentano eine besondere Rolle spielte. Angelegentlich einer Rede, die er vor dem Parlament hielt, erwähnte er in ziemlich respektloser Sprache den Kronprinz von Preußen (den heutigen Kaiser), der gerade von einem kurzen Exil in England zurückgekehrt war, als ein junger aristokratischer Abgeordneter, ein Edelmann von hohem Rang, an Brentanos Bemerkungen Anstoß nahm und ihn an Ort und Stelle für die Beleidigung des königlichen Bruders forderte. Brentano besah sich gelassen seinen Angreifer und sagte in ruhigem, würdevollem Ton: „Nun, wenn diese kleine Sache zwischen dem Prinz und mir durch Stellverteter ausgetragen werden soll, werde ich Ihnen meinen Kutscher schicken, damit er mit Ihnen kämpft; zu welcher Zeit würde Ihnen ein Treffen mit ihm passen?“

Wenn der kühne junge Aristokrat wirklich von Brentanos Kutscher getreten worden wäre, hätte er nicht tiefer erniedrigt werden können.

Max Weber

Max Weber, der in der badischen Armee Leutnant gewesen war, und sein Gefährte Schwarz, der sich von seinem Vater trennte, als dieser dem Großherzog ins Exil folgte, kämpften beide tapfer in der Unionsarmee im Krieg gegen die Rebellen. Weber kommandierte eine Brigade in General Sedgwicks Division von Sumners 2. Corps in den Schlachten (S.48) von Fredericksburgh und Antietam, und die Tapferkeit der Artilleriebatterie von Schwarz während Grants Operationen um Fort Donaldson und Vicksburg wird erwähnt in den offiziellen Ehrenreporten dieses Feldzugs.

Außer diesen wenigen, deren Leben ich kurz skizziert habe, gab und gibt es immer noch Hunderte andere, die in allen Teilen dieser westlichen Welt zerstreut sind, genügsam ihren bescheidenen Berufen nachgehen und doch, so gut sie können, ihren ehrenhaften Beitrag zu deren materiellen Entwicklung und geistigen Verbesserung leisten.

Ein paar weitere Jahre, und der letzte Exilant von 1849 wird Zuflucht in dem großen Asyl gefunden haben, in dem es keine Ausweisungsgesetze gibt, und wo er, wie ich hoffe, nicht gezwungen sein wird, eine Probezeit abzuleisten, bis er vollen Zugang zu den Bürgerrechten erhält. Doch seine Kinder und die Kinder seiner Kinder werden weiterleben, assimiliert, aufgesogen und amerikanisiert, ihres Ursprungs nicht bewusst und gleichgültig gegenüber ihrer Abstammung.

Das Haus meiner frühen Kindheit steht nicht weit vom Ufer eines Binnensees. Von seinem Strand erhebt sich steil ein Kreis zerklüfteter Berge, zerfurcht von Abgründen und zerschnitten von Schluchten und Tälern, durch die Bäche aus dem Hochland ihren Beitrag zu dem Seebecken leisten. Ob sie nun in malerischen Kaskaden über schroffe Kliffe stürzen, über Kiesgrund kräuselnd zu Tal eilen oder gleichmäßig zwischen grünen, bewaldeten Hängen dahinfließen, sie alle mischen am Ende ihre Zuflüsse mit den ruhigen Wassern des stillen Bergsees. Oft habe ich diese anmutige Szenerie von einem Aussichtspunkt aus beobachtet und mit dem Entzücken der Kindheit das endlose Geben und Nehmen im Treffen der Wasser verfolgt.

Wenn der Himmel darüber klar ist, wird seine azurne Färbung (S.49) mit wachsender Intensität in der spiegelnden Oberfläche des Wassers darunter reflektiert, und die sich mischenden Strömungen der überreich fließenden Gewässer werden die Uferlinie mit einem schwachen, milchigen Vorhang fast verdecken. Doch in einem Sturm, wenn strömender Regen, vom rasenden Wind gejagt, die freundlichen Bächlein zu reißenden Wildwassern anschwellen lässt, die alles mit sich reißen, was immer ihnen im Weg ist, die Erde, die sie eingeengt hat, lösen und die Rinnen auswaschen, durch die sie geflossen sind, dann wird der milchige Vorhang zu einem Rand tieferer Färbung, der sich dunkel gegen den Strand abzeichnet und doch schwächer wird, je mehr er sich ausweitet und verteilt, bis er in kaum wahrnehmbaren Abstufungen mit der unbewegten, unverändert normalen Farbe in der Mitte des Sees verschmilzt; an den äußeren Rändern der aufgewühlten Wasser fließt bei solchen Gelegenheiten der Abraum und der Schutt der umliegenden Berge. Doch ein oder zwei ruhige Tage werden die normale Ansicht wiederherstellen. Die Gischt, der Schaum und der Schutt, die mit der Strömung herabkamen und so auffallend auf ihrem Kamm geschwommen sind und die Oberfläche des Sees bedeckt haben, werden verschwinden, wenn wieder Stille einkehrt; der mit Gischt bedeckte Abfall, der ziellos in kreisrunden Wirbeln umherdriftete, wird trocknen und sich auflösen; die schimmernden Blasen werden zerplatzen und der Schaum sich in den belebenden Strahlen der Sonne auflösen; der schwimmende Unrat wird an Land geworfen, und der gestrandete Kehricht wird am Ufer verrotten. Doch die festen Teile, durch die Strömung eine Zeit lang in der Schwebe gehalten und beinahe aufgelöst, werden in dem stillen Seewasser nach unten sinken, sich auf dem Grund ablagern und, wenn die Zeit gekommen ist, Bestandteil der unvergänglichen Felsen werden, die die solide, dauerhafte Basis des Sees bilden.

Gewöhnlich ist es bei Künstlern, die ein historisches Bild zeichnen, in dem Gruppen berühmter Männer auftauchen, so, dass sie in knappen Umrissen und in reduzierter Größe Randskizzen hinzufügen, Faksimiles der Originalgruppe, mit den Namen der Personen und anderen erklärenden Bemerkungen und Referenzen.

Das Bild, das ich versucht habe zu zeichnen, mag vielleicht einer ähnlichen Erklärung bedürfen, doch all seine untergeordneten Züge werden in ihrer Bedeutung und ihrer Anwendung klar werden, sobald Sie in dem stillen, freundlichen Bergsee Ihr eigenes Land Amerika, das Land, das mich adoptiert hat, erkennen.

 

 

Das Hecker-Lied

  1. Wenn die Roten fragen,

Lebt der Hecker noch,

Sollt ihr ihnen sagen,

Ja er lebet noch.

|: Er hängt an keinem Baume,

Er hängt an keinem Strick,

Sondern an dem Traume

Der Roten Republik 😐

  1. Gebet nur ihr Großen,

Euren Purpur her

Das gibt rote Hosen

Für der Freiheit Heer

|: Ja 33 Jahre

Währt die Sauerei,

Wir sind keine Knechte,

Wir sind alle frei 😐

  1. Wenn in Flammen stehen

Kirche, Schul und Staat,

Kasernen untergehen,

Dann blüht unsre Saat.

|: Ja 33 Jahre

Währt die Knechtschaft schon

Nieder mit den Hunden

Von der Reaktion. 😐

  1. An den Darm der Pfaffen

Hängt den Edelmann

Laßt ihn dran erschlaffen,

Hängt ihn drauf und dran

|: Ja 33 Jahre

Währt die Knechtschaft schon

Nieder mit den Hunden

Von der Reaktion! 😐

  1. Schmiert die Guillotine

Mit Tyrannenfett

Reißt die Konkubine

Aus dem Pfaffenbett

|: Ja 33 Jahre

Währt die Knechtschaft schon

Nieder mit den Hunden

Von der Reaktion. 😐

  1. Fürstenblut muß fließen,

Muß fließen stiefeldick

Und daraus ersprießen

Die rote Republik

|: Ja 33 Jahre

Währt die Knechtschaft schon

Nieder mit den Hunden

Von der Reaktion! 😐


[1] Im Siebenjährigen Krieg kämpften Preußen, Großbritannien und Hannover gegen die Großmächte Österreich, Frankreich und Russland sowie weitere Staaten. Der Krieg wurde fast überall in der Welt ausgefochten, explizit auch in Nordamerika, Indien und auf den Weltmeeren. Trotz der langen Dauer führte er zu keinem greifbaren Ergebnis, sondern stellte nur den Vorkriegszustand wieder her.

[2] Becker meint hier die Versammlung des Deutschen Bundes.

[3] Karlsbad ist eine Stadt im heutigen Tschechien.

[4] Er erhielt wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung der Revolution den Beinamen „Kartätschenprinz“.

[5] Mit „Reaktion“ ist hier das Verhalten der reaktionären Kräfte nach der Revolution gemeint.

[6] in der Frankfurter Paulskirche

[7] Damit ist die linkshreinische Pfalz gemeint.

[8] Das Herzogtum Nassau war ein Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes. Das Land lag auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz, seine Hauptstadt war zu diesem Zeitpunkt Wiesbaden.

[9] Damit ist Ubstadt bei Bruchsal gemeint.

[10] Wahrscheinlich ist damit die „Lower Eastside“ gemeint, der Stadtteil New Yorks mit den meisten, auch deutschen Einwanderern, damals auch als „Kleindeutschland“ bekannt.

[11] Pocahontas (1595-1617) war die Tochter eines Indianerhäuptlings und Vermittlerin zwischen ihrem Volk und den englischen Siedlern.

[12] Zum damaligen Zeitpunkt war der größte Teil des heutigen Schleswig-Holsteins ein Zankapfel zwischen Dänemark und dem Deutschen Bund. Der Krieg von 1848-1851 führte jedoch nicht zum Ende der dänischen Oberhoheit über Schleswig, wie von der national gesinnten Paulskirchenversammlung ursprünglich gefordert.

[13] In der römischen Mythologie ist Saturn der Gott des Ackerbaus.

[14] Diese Versammlung existierte von 1818 bis 1918 und bestand aus zwei Kammern, dem ständisch besetzten Oberhaus und einer Volksvertretung.

[15] Das Heckerlied war ein Lied der Badischen Revolution und wurde noch viele Jahre nach der Niederschlagung der Aufstände gesungen.

[16] Damit ist der Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten gemeint (1861-1865).

[17] „Alter Abe“ war eine anerkennende Bezeichnung für Abraham Lincoln.

[18] Gemeint ist hier die Fürbitte Abrahams vor Gott für die Stadt Sodom, siehe: 1 Mose 18, Vers 22 ff.

[19] Da es im 19. Jahrhundert mehrere bekannte Amerikaner mit dem Namen Sumner gab, ist nicht klar, welcher hier gemeint ist; Phillips (1811-1884) war Politiker und Anwalt und Mitbegründer der „American Anti Slavery Society“, also der Gesellschaft gegen die Sklaverei.

[20] Franz Sigel (1824-1902) war Deutscher und hatte ebenfalls als „Kriegsminister“ der badischen Revolutionäre 1848/49 an den Erhebungen teilgenommen; in Amerika war er General im Sezessionskrieg; siehe auch Beckers Kapitel zu Sigel weiter unten.

[21] John Pope (1822-1892) war ebenfalls General.

[22] Die Schlacht bei Gettysburg in Pennsylvania dauerte drei Tage und war eine der blutigsten im gesamten Bürgerkrieg; die Nordarmee siegte dabei über den Südstaatengeneral Robert E. Lee.

[23] Mit Rebellen sind hier die von der Union abtrünnigen Südstaaten gemeint.

[24] Andrew Johnson hatte das Amt als Vizepräsident Lincolns übernommen, der kurz nach Unterzeichnung der Kapitulation der Südstaaten von einem Fanatiker erschossen worden war.

[25] Die Republikaner waren damals die fortschrittlichere der beiden großen Parteien und wurden 1854 mit dem Ziel gegründet, die Sklaverei abzuschaffen.

[26] Schurz verhinderte 1871 die Annexion Santo Domingos durch den damaligen amerikanischen Präsidenten Ulysses B. Grant und prangerte 1872 den Verkauf amerikanischer Waffen an die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kämpfenden Parteien an.

[27] Infolge des Bürgerkriegs und der daraus resultierenden Geldknappheit, die vom amerikanischen Staat durch vermehrte Geldproduktion „bekämpft“ wurde, kam es zu einer Hyperinflation.

[28] Alexander Schimmelpfennig (1824-1865) stammte aus Bromberg im heutigen Polen und trat schon mit 18 Jahren in die preußische Armee ein.

[29] So wurde zum Beispiel die Kasse für die Salzsteuer in Waldmohr beschlagnahmt und der Salzpreis um 25% herabgesetzt.

[30] Diese, auch „ zweite Schlacht bei Manassas“ genannt, fand zwischen dem 28. und 30. August 1862 statt.

[31] Fort Sumter bei Charleston war von den Konföderierten schon gleich zu Beginn des Bürgerkriegs am 13. April 1861 eingenommen worden.

[32] Die Septemberunruhen in Frankfurt brachen nach dem Waffenstillstand von Malmö im Schleswig-Holsteinischen Krieg aus, da die Linke mit diesem Übereinkommen nicht einverstanden war; die Nationalversammlung war in diesen Entscheidungsfindungsprozess nicht einbezogen worden.

[33] Friedrich Wilhelm von Steuben und Baron Johann von Kalb waren beide Generäle im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

[34] Hier hat Becker einen Fehler gemacht: Kapp war nicht für Auswanderung sondern für deutsche Einwanderung zuständig; siehe wikipedia: Friedrich Kapp.

[35] Cola di Rienzo war ein römischer Politiker und Demagoge des 14. Jahrhunderts und Zeitgenosse des Papstes Alexander VI.; außerdem diente er als Anregung für die Wagner-Oper „Rienzi“.

[36] Becker spielt hier auf die Figur der „Justitia“ als Verkörperung des Rechtswesens an, die blind ist, um „ohne Ansehen der Person“, also des Angeklagten, ihr Urteil fällen zu können.

[37] Blackwell’s Island, heute Roosevelt Island genannt, ist ein Teil Manhattans, auf dem zur fraglichen Zeit eine Heilanstalt, ein Arbeitshaus und ein Pockenhospital untergebracht waren.

[38] Die Schlacht am Chickamauga 1863 wurde aufseiten der Nordstaaten befehligt von den Generälen William Starke Rosecrans und George Henry Thomas; Gewinner waren die Konföderierten.

[39] Sechs Fuß sind ca. 1,80 m; für heutige Verhältnisse erscheint das nicht sonderlich groß, im 19. Jahrhundert dagegen war es das schon.

[40] Albert Galeer war 1838 an der Gründung des Schweizer „Grütlivereins“ beteiligt, einem vaterländisch orientierten Arbeiterverein.

[41] Diese „Schwefelbande“ war die Vereinigung einer kleinen Gruppe von Exilanten, zu denen auch Becker gehörte; der Name ist abwertend gemeint und spielte eine Rolle in einer Kontroverse zwischen Karl Marx und Carl Vogt, in der Letzterer gegen den Philosophen polemisierte; siehe hierzu: wikipedia: Herr Vogt und www.mlwerke.de, Stichwort: „Schwefelbande“; der „Canton de Vaux“ entspricht dem „Kanton Waadt“ in der Schweiz, in dem Weinanbau betrieben wird.

[42] In den Jahren 1848/49 war Lajos Kossuth einer der Anführer der ungarischen Unabhängigkeitsbewegung gegen Österreich; einer seiner Sympathisanten war der Klaviervirtuose und Komponist Franz Liszt.

[43] Gemeint ist hier wohl die Hundertjahrfeier des Pariser Friedens vom 3. September 1783, der den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beendete.

[44] Der Vorname Blenkers war Ludwig; warum Becker ihn nicht angegeben hat, ist unbekannt.

[45] Luther meint hier das von ihm initiierte Werk der Reformation, das er auf dem Reichstag zu Worms 1521 gegen Kaiser und Reich verteidigen musste; der Ausspruch ist zitiert nach: Schacht, Theodor, Der Reichstag zu Worms nebst Gedanken über die Reformation, Worms 1829, S.25, online-version.

[46] Traubenkartätschen sind mit kleinerem Schrot geladene Geschosse.

[47] 1859 war mit der Anlage des Parks begonnen worden.

[48] John Charles Fremont war Landvermesser und und Major im Sezessionskrieg.

[49] Die „Neue Deutsche Zeitung“ erschien 1848/49 als Organ der Demokraten in Darmstadt.

[50] Ulyssses S. Grant wurde dort zum Präsidentschaftskandidaten ernannt und Schuyler Colfax, welcher sich u.a. beim Bau der „Central Pacific Railroad“ einen Namen gemacht hatte, zum Vizepräsidenten; beide wurden auch gewählt.

[51] Dieses Feuer wütete vom 8.-10. Oktober 1871 und vernichtete große Teile der Innenstadt.

 


Zur Biographie des Autors:

 

Becker, Max Joseph

* 31.5.1827 in Koblenz als Sohn des Elementar-Schullehrers Johann Joseph Becker und seiner Ehefrau Magdalena, geb. Klaumann.

hier besteht eine Lücke in der Biographie; siehe: Kiehnbaum, Erhard, Von Koblenz in die Welt. Max Joseph Becker (1827-1896). Vom 1848er Revolutionär und Kämpfer der Pfälzer Volkswehr zum Bauingenieur in den USA, SB 2011

ab 1848 Bauschreiber bei der Köln-Mindener Eisenbahn in Hamm und Präsident des dortigen Arbeitervereins, weswegen er am 15.7.1848 entlassen wurde.

1849 Teilnahme an der Reichsverfassungskampagne in der Pfalz, Mitarbeiter des Civilcommissärs von Zweibrücken und Korrespondent der „Neue Deutsche Zeitung“, für die er vom Aufstand berichtet.

Nach dem Scheitern der Revolution Emigration in die Schweiz und schließlich über Frankreich und England nach Amerika, wo er als Ingenieur bei der Eisenbahn und beim Kanalbau arbeitete.

Am 15.1.1855 Heirat mit Ellen Amela Irvine, mit der er drei Kinder hatte.

† am 23.8.1896 auf Mackinaw Island, Michigan.

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